Mittwoch, 20. Juni 2018
Was für ein geiler Tag – sorry Mama für die Ausdrucksweise 😊. Aber das war heute wirklich toll. Der Tag fing damit an, dass die Sonne uns bereits um 5 Uhr wachgekitzelt hat. Also hell ist es ja immer, aber prallen Sonnenschein hatten wir bis jetzt nur in der blauen Lagune. Also schnell einen Kaffee getrunken, unsere Rucksäcke gepackt und mit dem Auto zur Fähre nach Landeyjahöfn. Dort sollte die Fähre um 9.45 Uhr gehen. Boarding 30 min früher. Wie immer kamen wir natürlich überpünktlich an, aber so hatten wir genügend Zeit, uns am Fährterminal noch kurz mit einer Straßenkarte der Insel und Infos zu den angebotenen Touren bzw. Hauptsehenswürdigkeiten auszurüsten. Ziel war Heimaey, die Hauptinsel und einzige ständig bewohnte Insel der Westmännerinselgruppe. Die Inselkette besteht aus aktuell 15 Inseln und ca. 30 Schären. Insgesamt hatten wir eine Aufenthaltszeit auf der Insel von gut 8 Stunden, da konnte man schon einiges anstellen. Es wurden verschiedene Rundfahrten mit Kleinbussen angeboten, geführte Wanderungen und Bootstouren. Wir wollten auf jeden Fall auf den Eldfell kraxeln, jenen Vulkan dessen Ausbruch 1973 fast dazu geführt hätte, dass alle aufs Festland umgesiedelt werden sollten. Der Ausbruch kam ohne Vorwarnung, aus einem 1.600 m langen Riss liefen Tonnen heisser Lava und Asche regnete auf den Ort. Viele Häuser wurden zerstört, aber Dank der genialen Idee eines einheimischen Physikers gelang es, die Lavaströme erstarren zu lassen, den Hafen und viele Häuser zu retten und so einen Neuanfang zu ermöglichen. Bevor wir jedoch zum Wandern los sind, haben wir im Hafen geschaut, ob wir eine der Touren buchen sollten. Und dass wir – aber insbesondere ich – ja auf Bootfahren stehen, ist bekannt. Also haben wir für 14 Uhr eine zwei Stunden Rundfahrt mit einem sogenannten Ripboot gebucht. Doch dazu später mehr. Nun ging es erstmal zu dem zweithöchsten Berg der Insel. Dort geparkt, und losgelaufen. Oh, wir sollten vielleicht doch mal mehr Sport machen. Ganz schön steil, aber eine irre Aussicht über die gesamte Insel, die mit 14,5 km2 durchaus übersichtlich ist. Von oben aus sieht man auch genau, wo die „alte“ Insel ist, und welcher Teil der Insel erst seit dem Ausbruch des Eldfell existiert. Damals sind ganze 2,5 km2 neues Land entstanden. Wir wären zu gerne noch ins Lava-Museum gegangen, aber leider reichte die Zeit dazu nicht. Die Wanderung hat schon eine Menge Zeit in Anspruch genommen. Aber bei dem tollen Wetter (und ja, wir hatten uns diesmal sogar vorher eingecremt!) verging die Zeit auch wie im Flug. Rauf sind wir in einem großen Loop gegangen, für den Rückweg zum Auto gab es eine interessante Abkürzung. Erinnerte mich sehr an einige Klettertouren mit meinen Eltern und meiner Schwester als wir noch Kinder waren 😊 Wozu Wege… Gut, langsam wurde es Zeit zum Hafen zurück zu fahren, denn auch diesmal gab es wieder die netten Strampelanzüge. Und sogar Mützen und Handschuhe. Hm, pure Sonne und trotzdem Mützen und Handschuhe? Na, die werden schon wissen warum. Oh ja… Was für eine Tour. Und Eltern, falls Ihr Euch fragt was ich mit meinem Geburtstagsgeld gemacht hab: Ripboot gefahren 😊 Das war sooooooooooooooo geil. Jeder saß wie auf einem Hocker, die Beine rechts und links daneben und fest auf den Boden. Vor uns waren Haltegriffe - und das Rodeo konnte beginnen. Solange die Musik lief (gute Laune Musik, schnell und laut) mussten wir uns mit mindestens einer Hand festhalten. Wenn die Musik ausging, fuhr das Boot langsamer, Inka (unsere „Reiseführerin“) kam nach vorne in den Bug und hat allerhand erklärt, Spässe gemacht und dafür gesorgt dass wir alle eine tolle Zeit hatten. Sobald Inka wieder zum Heck ging auf ihren Sitz, wussten wir, dass es Zeit wurde die Handy-Kameras wieder wegzupacken, eine feste Sitzposition einzunehmen und schon ging die Musik los und der Motor heulte auf. Ich bin wirklich niemand, der viel und vor allem auch nicht laut Musik hört. Aber das heute hat einfach zusammengepasst. Ich hab ein kurzes Video gedreht, denn das kann man einfach nicht beschreiben. Wir haben heute auf jeden Fall eine der coolsten Boots-Touren unseres Lebens gehabt. Was für eine Spass. Und die haben wirklich jede kleine Insel umrundet die diese Inselgruppe hat. Jede lustige Felsformation (Elephant, Gorilla, Adler…), wunderschöne Felsgrotten, Höhlen, Vogelinseln, Seehunde und und und. Und zwei Guides, denen man den Spass an ihrem Job angemerkt hat, und die sich genau wie wir wie Bolle über das sagenhafte Wetter gefreut haben. Ach ja, man merkt glaube, das wir heute wirklich Spaß hatten. Nach zwei Stunden hatte aber auch dieser Spass leider ein Ende. Zurück an Land haben wir uns erstmal was zum Essen gesucht. Wir hatten nämlich, ausser dem Kaffee am Morgen, noch nichts weiter gehabt, und nun war es bereits nach 16 Uhr. Direkt gegenüber war ein kleines Restaurant. Dort haben wir einen leckeren Burger vernichtet (mit Spiegelei, mal ganz was anderes) und den gröbsten Hunger gestillt. Danach haben wir versucht, wenigstens noch ein Buch über die Insel und den Vulkanausbruch von 1973 zu bekommen. Aber leider Fehlanzeige. Zuhause mal schauen ob Amazon was dazu hat. Ich fand Vulkane schon als Kind total spannend, und den besten Schulaufsatz meines Lebens habe ich auch über dieses Thema geschrieben. Ok, ist schon ein bisschen her – aber ich finde das Thema immer noch unheimlich spannend. Gut, viel mehr gibt es auch nicht mehr zu erzählen. Noch einen letzten Loop über die Insel bis in die südlichste Spitze. Dann zurück auf die Fähre, eine sonnige Überfahrt und wieder ab in unser Tiny House. Und morgen früh geht es nach Silfra, dem letzten großen Event unserer Reise. Schnorcheln zwischen den Kontinentalplatten bei 2°C.



Dienstag, 19. Juni 2018
Gestern Abend hatten wir uns schon gewundert, das so gut wie kein Auto am Hotel stand. Kurze Zeit später klärte sich unsere Frage – ein Bus voll mit chinesischen Touristen kam in den Hof gefahren. Na prima, Chinesen sind nicht unbedingt dafür bekannt, sich ruhig und unauffällig zu verhalten. Schon gar nicht in großen Gruppen. Aber scheinbar hatte die Bande bereits einen anstrengenden Tag hinter sich. Es wurde mal kurz laut als alle reinrumpelten und ihre Zimmer bezogen. Dann tappsten sie in Reih und Glied hoch zum Restaurant. Und nicht mal eine Stunde später waren alle wieder im Zimmer und es war mucksmäuschenstill. Tja, somit stellte sich für uns die Frage: um 7.30 Uhr pünktlich beim Frühstück sein und hoffen dass wir vor der großen Gruppe durch sind? Oder das ganze aussitzen bzw. ausschlafen? Also den Wecker erstmal auf kurz vor 7 Uhr gestellt. Dann gelauscht – ok in den Nachbarzimmer waren schon alle am Duschen. Und kurze Zeit später tappsten alle wieder brav in einer Reihe hoch zum Restaurant. Also nochmal rumgedreht und einfach noch eine halbe Stunde im Bett weiter gedöst. Dann hörten wir schon, wie die Koffer wieder zum Bus gerollt wurden. Also ab unter die Dusche und hoch zum Frühstücken. Bis auf den selbstgemachten Trinkjoghurt war eigentlich alles wieder komplett aufgefüllt, also das hatten die Mädels im Restaurant wirklich im Griff. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir dann los auf die Ringstrasse. Und viel Alternativen würde der heutige Tag nicht bieten. Je weiter wir Richtung Jökulsárlón kamen, umso voller wurde die Strasse wieder. Das wussten wir ja schon von den beiden vorhergehenden Tagen. Und es wurde immer mehr, je mehr wir wieder Richtung Reykjavik fuhren. Also landschaftlich war es wirklich toll heute. Das Wetter hat auch mitgespielt, viel Sonne und bis zu 16°C zeigte das Thermometer heute. Aber hier im Süden ist es wirklich sehr touristisch und uns hat es in den West- und Ostfjorden definitiv besser gefallen. Nichtsdestotrotz haben wir bei gefühlt 50 Wasserfällen Photostops eingelegt. Waren aber auch immer wieder froh wenn wir wieder weg konnten, es war wirklich wie im Sommer am Ballermann. Einmal haben wir einen Schlenker gemacht über die 204. Keine Offroad Strecke wie sonst, dafür ging die Strecke aber durch eine gewaltige Vulkan- und Steppenlandschaft. Dann eine späte Mittagspause (ok, es war bereits 15 Uhr) in Vík í Mýrdal, dem südlichsten Ort auf dem Festland Islands. Dort haben wir uns natürlich die Reynisdrangar angeschaut, die drei Felsnadeln die (angeblich) versteinerte Trolle sind 😊 Dann mal kurz ins Outlet von Icelandwear, dem größten Anbieter von Islandpullovern und Outdoorbekleidung. Auch wenn ich schon die ganze Zeit damit liebäugle, mir einen dieser dicken Pullover zu kaufen – irgendwie sind die kratzig und die Schafwolle hier in Island ist einfach nicht mit der kuscheligen Merinowolle aus Neuseeland zu vergleichen. Wobei, ein Teil hab ich ja sogar aus Islandwolle, im Solheimar Appartement hat ja die Besitzerin selbstgestrickte Wollmützen verkauft und ich hab eine von meinem Schatz als Geburtstagsgeschenk bekommen. Die hab ich auch so ziemlich jeden Tag an und liebe die heiss und innig. Ganz speziell fand ich bei Ielandwear übrigens auch die riesige Auswahl an echten Fellen und Pelzen in dem Geschäft. Kaninchen in allen Formen und Farben, das sieht man in Deutschland gar nicht mehr. Aber trotzdem, bei den Wollsachen wurden wir nicht recht fündig, aber HP hat bei den Outdoorjacken echt zwei Schnäppchen gemacht und so sind wir dann doch noch erfolgreich von dannen und wieder weiter auf die Ringstrasse. Ja, und dann ist eigentlich auch nicht mehr passiert. Nochmal 50 Wasserfälle – ungefähr wenigstens – und ungezählte Busse mit Touristen. Und irgendwann gegen 19 Uhr sind wir dann in Brú’s Guesthouse angekommen. Kleine niedliche Holzwürfel mitten auf einer Wiese. Klein, aber mit allem ausgestattet was man braucht. Und nun müssen wir noch ein bisschen für morgen planen, denn dann werden wir den gesamten Tag auf den Westmänner Inseln verbringen. In diesem Sinne – gut’s Nächtle



Heute stand eine Tour auf dem Jökulsárlón auf dem Programm. Der Jökulsárlón ist sicherlich der bekannteste – auf jeden Fall aber der größte Gletschersee Islands. Er ist knapp 250 m tief, und damit auch gleichzeitig der tiefste See Islands. Was den See so faszinierend macht, sind die vielen auf ihm schwimmenden abgebrochenen Gletscherstücke des Breiðamerkurjökull (einem Teil des Vatnajökull). Die Gletscherzunge kalbt dort, das heisst die zum Teil riesigen Stücke brechen vom Gletscher ab und treiben – je nach Größe – bis zu einem Jahr auf dem See. Im Laufe der Zeit verkleinern sie sich (schmelzen, zerbrechen etc.) und werden über den Gletscherfluss Jökulsá á Breiðamerkursandi ins offene Meer rausgetrieben. Der Anblick der treibenden Eisberge muss gigantisch sein, wir freuen uns schon den ganzen Urlaub auf die Tour! Da wir aber erst für 13 Uhr gebucht hatten, konnten wir den Tag recht entspannt starten. Erstmal gemütlich gefrühstückt, das Frühstück war ähnlich wie gut wie am Tag zuvor. Dann ein paar warme Sachen eingepackt und langsam los entlang der Küste Richtung Gletscher. Da wir noch viel Zeit hatten – wir mussten erst 30 min vorher da sein – haben wir die Zeit genutzt und haben wie üblich einen kleinen Abstecher auf eine Schotterpiste gemacht. Dort konnten wir direkt einen ersten Eindruck vom Gletschersee ergattern. Jetzt waren wir erstmal enttäuscht, denn aus dieser Perspektive wirkte der See winzig und die paar schwimmenden Eisbrocken sahen jetzt auch nicht so sensationell aus. Mal schaun – also zurück auf die Ringstrasse. Der Verkehr nahm langsam zu – also mussten wir richtig sein. Oh, und von weitem konnte man jetzt schon die große Brücke sehen, unter der die abgebrochenen Gletscherstücke ins offene Meer raus trieben. Wie schön – so sah das ganze dann doch etwas eindrucksvoller aus. Und genau deswegen war wahrscheinlich auch die Hölle los! Menschenmassen bewegten sich auf dem Strand, der große Parkplatz voll mit Autos und Bussen. Aber nun gut, gleiches Recht für alle, andere wollen sich das halt auch anschauen. Aber warum denn gerade jetzt 😊 Dann erstmal zum Ticketschalter und unsere Buchungsbestätigung gegen ein Ticket eingetauscht. Da wir noch Zeit hatten, sind wir schon mal eine Runde zu Fuss am See lang gelaufen. Gigantisch! Vor allem wenn man bedenkt, das man von den Eisbergen ja nur 10% sehen kann und sich die restlichen 90% unter Wasser befinden. Wir hatten extra einen Anbieter gewählt, der immer gelobt wurde, weil er die Gruppen auf den Booten nicht so groß gemacht hat. Pünktlich 30 min vorher standen wir am Container, um die bekannten wind- und wasserdichten Anzüge zu erhalten. Wir hatten uns entschieden, nicht mit dem Amphibienboot zu fahren, was die meisten tun, sondern hatten uns für eine Fahrt mit dem Zodiac entschieden. Also einem Schlauchboot mit großem Motor. Ja, und es liess sich auch ganz gut an. Ausser uns waren nur noch 4 andere da, super. Tja, und dann kamen immer mehr. Zum Schluss waren wir 24! Personen. Na prima, das wird aber mal kuschelig. Mit unserem Kapitän sind wir dann losgezogen Richtung Anlegestelle. Unterwegs mussten wir alle auf einer Strecke von ca. 100 m die Kapuzen unserer Overalls überziehen, denn wir mussten am Brutplatz der großen Raubmöwen vorbei, und die sind echt angriffslustig! Gut, dann im Konvoi weiter zum Anleger – und hurra, es gab drei Boote! Also hatte Tripadvisor nicht gelogen, mit je 8 Leuten pro Boot hatten wir wirklich ausreichend Platz. Wir hatten Glück und haben direkt vorne in der Spitze die Plätze ergattert. Wobei es später noch Augenblicke gab, wo ich lieber am Heck gesessen hätte. Denn wir mussten ja auf dem Wulst des Schlauchbootes sitzen und hatten nur eine Leine, an der wir uns festhalten konnten. Und die Boote waren echt verdammt schnell. Aber nun ging es erstmal los. Zügig schossen wir vom Anleger weg und erstmal Richtung Seemitte. Dort schwammen riesige Eisberge, in weiss, grau, schwarz und leuchtendem blau. Die unterschiedlichen Farben kommen zum einen durch die Verunreinigung mit Vulkanasche, die Blaufärbung durch die verschiedenen Kristallen und deren Reflexionen. Denn je nach Alter hat das Eis durch die grossen Drücken, die auf ihm lasten, andere Strukturen. Es sieht zum Teil wirklich surreal aus. Dann weiter zu einer kleinen schwimmenden Eisplatte, auf der sich ein vollgefutterter Seehund räkelte. Der See ist sehr fischreich, daher lockt er immer wieder Seehunde aus dem offenen Meer an. Und nun ging es mit wirklich hohem Tempo bis (fast) an den Rand der Gletscherzunge. Das war dann der Teil, wo ich auch gerne einen der hinteren Plätze genommen hätte! Von der Ferne aus sehen die Abrisskanten der Gletscher immer recht harmlos aus, wenn man dann recht dicht dran ist, sieht man erst einmal, wie gewaltig die Eismassen sind, die dort abbrechen. Darum muss auch immer ein großer Sicherheitsabstand gehalten werden, denn die Stücke brechen ohne Vorwarnung ab und würden unser kleines Zodiac einfach platt machen. Scheinbar gab es am Abend vorher erst wieder einen größeren Abbruch, denn es sollen einige große neue Stücke auf dem See schwimmen, die bei der gestrigen Abendtour noch nicht da waren. Wie auch immer, irrsinnig beeindruckend die Kolosse. Und das sind nur „Bröckchen“ im Vergleich zu dem Eisberg, der die Titanic versenkt hat. Viel zu schnell war die Stunde rum, wobei man auch hier erwähnen muss, das bisher bei allen Touren die wir in Island gemacht haben, die Zeit wirklich großzügig genutzt wurde und jede Tour mindestens 10 % länger gedauert hat, als angekündigt war. Zurück an Land sind wir an den Gletscherfluss und haben zugeschaut, wie die Eisbrocken langsam ins offene Meer trieben. Da die Gletscher ja aus Süßwasser bestehen, sollte man meinen dass der See nur Süßwasser führt. Aber Seehunde in Süßwasser? Ja, das Geheimnis liegt drin, dass sich je nach Gezeiten die Strömung umdrehen kann. Dann treibt Meerwasser über den Gletscherfluss in den See zurück. Das verhindert zum einen das Zufrieren des Sees im Winter und sorgt zum anderen für die Vermischung von Süß- und Salzwasser. Hätte ich mich doch mal zu Schulzeiten so für Geographie und Biologie interessiert wie jetzt – ich hätte mein Abitur wahrschein deutlich bestanden 😊. So, mittlerweile waren es gut 15 Uhr, also noch viel zu früh um zurück zum Hotel zu fahren. Direkt wenige Kilometer weiter gab es noch einen Gletschersee, der ebenfalls Touren anbietet. Laut unserem Reiseführer ein Geheimtipp – nicht so überlaufen, günstiger und ähnlich spektakulär. Also einfach mal hin. Oh, wie gut dass wir nicht hier gebucht haben. Ja, ein See – aber nur ein fünftel so groß und nur wenige Abbruchstücke. Auch wenn die Tour günstiger war, war es unserer Ansicht nach keine wirkliche Alternative zum Jökulsárlón. Gut, also wieder ins Auto und weiter. Als nächstes Ziel hatten wir uns Skaftafell auserkoren, dort wollten wir dann noch bis zum Svartifoss Wasserfall wandern. Also wieder auf die Ringstrasse und weiter. Eine knappe Stunden später – immer entlang der Küste - kamen wir an. Hm, kostenpflichtiger Parkplatz? Wanderzeit hin und zurück 3 Stunden? Äh, nein dann doch nicht. Aber da war ja auch eine schöner Feldweg, nehmen wir doch mal den! Der Feldweg führte uns noch knapp 2,5 km weiter in Richtung einer weiteren Gletscherzunge. Leider war man trotzdem noch recht weit weg, aber für ein paar Photos hat es gereicht. Gut, aber da wir morgen ja auch wieder über 300 km auf dem Programm hatten, machten wir uns langsam wieder zurück Richtung Hólabrekka und unserem Hotel. Nach ein paar Kilometern retour haben wir dann eines dieser kleinen und niedlichen rot-weissen Strassenschilder entdeckt, die immer viel Spaß (weil Schotterpisten oder krasser) bedeuten: Ein Wegweiser zum Svínafellsjökull. Ganz klar, das mussten wir noch mitnehmen. Also Blinker links und rein. Wow, was für ein schlechter Weg. Schlaglöcher so tief dass man einen kompletten Kleinwagen drin verstecken kann. Hoffentlich lohnt sich das, das war wirklich einer der schlechtesten Wege dieses Urlaubs. Vor uns kämpfte sich noch ein Auto durch, also war klar, das vermutlich am Ziel noch weitere Autos stehen werden, aber egal. Dann am Parkplatz ankommen war die Zahl der Autos recht überschaubar. Und wir befanden uns direkt am Fuss des Gletschersees vom Svínafellsjökull. Beeindruckend. Oh, wie schön – man konnte sogar an der Seite des Sees langklettern Richtung Gletscher. Ok, nicht ganz einfach, aber relativ ungefährlich. Man hätte im schlimmsten Fall einige Schrammen oder maximal eine Prellung kassiert wenn man stürzen würde, aber keinerlei Gefahr sich wirklich böse zu verletzen. Also los und Bergziegen gespielt. Je höher wir kamen umso schöner war natürlich der Ausblick, also wieder Selfiezeit 😊. Dann langsam wieder zurück geklettert Richtung Auto. Dabei sind wir an einer Gedenktafel für 2 Jungs aus Deutschland vorbeigekommen. Die beiden waren im August 2007 zum Wandern hier, ihr Zelt wurde später oben auf dem Berg in der Nähe des Gletschers gefunden, von den beiden fehlt seit dem jede Spur. Die Bergwacht, diverse Einsatzkräft sowie unzählige Freiwillige haben tagelang den Gletscher abgesucht, leider vergeblich. Die Gedenktafel wurde von den Familien der beiden angebracht. Vermutlich sind sie in eine Gletscherspalte abgestürzt – und uns wird wieder einmal bewußt, wie schnell alles vorbei sein kann. Gut, gerade als wir fahren wollen kommt ein ganzer Bus mit Chinesen an – irre das der wirklich bis hierhin gefahren ist. Wir sind dann zurück auf die Ringstrasse. Aber nur kurz. Denn plötzlich sahen wir ein Auto aus einem kleinen Weg biegen, den wir fast übersehen hätten. Ah, da kann man den Gletscher von der anderen Seite aus sehen. Prima, so viel Zeit haben wir noch. Diesmal war der Weg auch deutlich kürzer, allerdings ähnlich buckelig. Am Parkplatz sind gerade ein paar Leute in ihre Autos gestiegen, die irgendwelche wilden Aufnahmen gemacht haben. Wofür auch immer, aber die eine Schnecke hatte ein langes rotes Spitzenkleid an. Ob das die richtige Kulisse dafür ist? Egal, auch da noch ein bisschen herum geklettert, noch zwei Photos aus einer anderen Perspektive und zum Auto zurück. Aber gerade als wir den Weg fast bis zur Hauptstraße zurück sind, kommt es noch besser. Zwei Wohnmobile aus Deutschland sind auf den Weg eingebogen. Ohhh, die Fahrerin des ersten Fahrzeugs schaut nach 200 m schon gestresst aus – na dann viel Spass. Manchmal sind Leute echt unvernünftig. Wir sind dann weiter auf der Ringstrasse und näherten uns wieder dem Jökulsárlón, wo heute früh alles begann. Diesmal haben wir auf einen der Parkplätze am Strand gehalten. Denn der Gletscherfluss treibt die Eisbrocken zwar raus aufs offene Meer, die Brandung spült jedoch einen Teil des Eises zurück an den pechschwarzen feinen Strand . Das sieht unglaublich aus, der Strand wird hier auch Diamond Beach genannt. Auf den Photos seiht man warum. Dann noch kurz rüber und ein Photo von dem großen bläulich schimmernden Brocken gemacht, der seit ein paar Tagen direkt unter der Brücke festsitzt. Und dabei stellen wir fest, dass jetzt das Meer in den See strömt und die Gezeiten und die Strömung gewechselt haben. Dabei werden die sich noch im Gletscherfluss befindlichen Eisstücke zurück in den See getrieben. Toll das wir das zufällig gerade sehen konnten! Dann weiter Richtung „Heimat“. Und noch ein letzter Stop, um erneut einen Blick auf den Strand zu werfen, der tatsächlich aussah, als wäre er mit dicken Glassteinen übersäht. Das war aber wirklich der letzte Stop für diesen Tag und es ging dann ohne weitere Unterbrechung zum Hotel. Dort schnell noch ein paar Brote geschmiert und ab an die Tastatur. Und nun habe ich fertig!



Sonntag, 17. Juni 2018
So, die erste Nacht in Lilja Gästehaus war eigentlich ganz gut. Das es keine Gardinen gibt, nervt ein wenig. Aber das kennen wir ja schon von anderen Unterkünften in Island. Dafür hat uns dann das Frühstück mehr als angenehm überrascht. Obwohl viel los war, fanden alle Platz. Die Auswahl war – im Gegensatz zu den anderen Frühstücksbuffets – wirklich ansprechend. Es gab endlich mal richtiges Brot, verschiedene Sorten Käse, etwas Fisch, Müsli, Säfte und vor allem frisches Obst! So hat der Tag schon mal gut angefangen. Dann zurück ins Zimmer und warm angezogen, denn die kommenden Stunden versprachen eher frisch zu werden. Ganz wichtig: wasserdichte Wanderschuhe! Während Peter sich für seine noch jungfräulichen Kathmandu Stiefel entschieden hat, hatte ich vorsichtshalber meine wadenhohen und wasserdichten Columbia Stiefel eingepackt. Bis jetzt nur beim Schneeschieben erprobt – mal schaun wie trocken meine Füsse am Ende des Tages sein werden. Dann hin zum Treffpunkt auf der Milchfarm. Unser Guide – Andrei – war schon da. Und hurra – wir hatten schon wieder eine quasi Privattour erwischt. Morgens die allererste Tour ist anscheinend nicht so gut besucht. Prima für uns – wahrscheinlich eher unwirtschaftlich für den Anbieter. Vermutlich haben die aber eine Mischkalkulation, also sie werden es schon verkraften. Von Andrei haben wir dann die üblichen wasser- und winddichten Anzüge bekommen. Dazu noch Halstücher (Werbegeschenk!) und Helme. Handschuhe hatten wir unsere eigenen dabei, da weiß man wenigstens dass sie passen und trocken sind. Dann erstmal ab in den Superjeep geklettert – boah, das ist nichts für alte Frauen. Da hätte selbst ich fast eine Trittstufe gebraucht. Ganz spannend auch die Technik mit der automatischen Auf- und Abblasanlage an allen 4 Rädern. Je nach Untergrund muss zwischendurch auf dem Weg zum Gletscher bzw. auf dem Gletscher der Reifendruck angepasst werden. Das heisst auf allen Felgen ist eine Querstrebe angebracht, an der ein Luftschlauch mittig befestigt ist und sich mitdrehen kann. Der Schlauch führt zu einem Drucklufttank, der vom Fahrer während der Fahrt bedient werden kann. Schaut mal auf die Photos, dort erkannt man es ganz gut. Ok, aber nun ging es los. Insgesamt haben wir gute 35 min bis zu den Snowmobilen gebraucht. Die ersten 20 min hätten wir auch gut mit unserem Kia Sportage gepackt. Danach wurde es dann aber echt krass von der Strecke. Für die letzten 150 m haben wir gute 5 min gebraucht, das war dann bereits oben auf dem Schneefeld. Dann raus aus dem Auto und die letzten Meter zu Fuss. Ups, wir hatten vermutet dass der Schnee hier oben recht fest ist – aber weit gefehlt. Mit jedem Schritt sind wir wadentief eingesunken. Darum sollten wir auch wasserdichte Stiefel anziehen! Mühsam ging es durch den tiefen nassen Schnee, der Regen und dichte Nebel hat es auch nicht einfacher gemacht. Dann waren wir da und vor uns standen 12 wunderschöne Schneemobile nebeneinander geparkt. Die Tour konnte als Fahrer mit Sozius auf einem Fahrzeug gebucht werden oder als Solofahrer, dann aber entsprechend teurer. Wir hatten uns dafür entschieden zusammen zu fahren. Erstens hatte ich ziemlich Schiss so ein Teil zu fahren, und ausserdem wollte ich während der Fahrt Photos machen. Es war aber direkt klar, dass das mit dem photografieren während der Fahrt nichts wird. Zu einen wegen der Sichtverhältnisse, aber auch wegen der Sicherheit. Die Dinger sind schnell unterwegs. Dann hat uns unser Guide angeboten, dass wir beide selbst fahren, ohne Mehrkosten (das wären immerhin 20.000 ISK, also ca. 160 € gewesen). Hm - schwere Entscheidung. Ich hatte echt Respekt vor den Teilen. Aber wenn Andrei meint ich pack das – also gut. Dann – nach einer kurzen Sicherheitseinweisung – ging es los. Andrei vorne weg, ich in der Mitte, HP als Nachhut. Wir sollten immer möglichst genau in der Spur des Guide fahren, lediglich nach rechts oder links ein bisschen versetzt, um besseren Grip zu haben. Denn der Schnee war recht tückisch und Andrei konnte Dank seinem GPS immer genau entscheiden wo wir auf dem Schneefeld entlang fuhren. Leider blieb die Sicht sehr beschränkt, so dass man rechts und links nichts sehen konnte sondern nur versuchte, an seinem Vordermann dran zu bleiben. Nach wenigen Minuten der erste Stop, unser Guide wollte nur checken, ob alles ok war und wir uns noch wohlfühlten. Nach meiner anfänglichen Angst lief es aber wirklich immer besser und ich traute mich nun auch, mehr Gas zu geben und auch ein wenig zügiger durch Senken und Kurven zu toben. Das macht schon Laune. Und plötzlich kamen wir schon oben auf dem höchsten Punkt unserer Tour an. Wie schade – das Wetter war immer noch grausam, was unserem Spass aber keinen Abbruch tat. Wir sind kurz abgestiegen und wollten schon gar nicht unsere Kameras rauspulen- als plötzlich für einen Moment der Himmel aufriss. Wie schön! Schnell ein paar Photos und Selfies gemacht, und zack war die Sonne wieder weg. Aber egal. Die 5 min haben viel wett gemacht. Dann zog es sich plötzlich wieder richtig zu. Also ab auf die Schneemobile und wieder zurück zum Sammelpunkt. Nun ging es größtenteils bergab. Da ich mittlerweile vertrauter war und deutlich zügiger unterwegs war als raufwärts, sind wir schier ins Tal geschossen. Der Eisregen prasselte uns ins Gesicht. Zwischendurch immer mit einer Hand das Visier frei gewischt, weil man zum Teil nichts mehr sah. Hat aber wirklich Laune gemacht. Und statt der 20 km die geplant waren, sind wir ins Summe gut 26 km gefahren. Was für eine tolle Tour. Peter hatte nur 3 Worte auf der Stirn stehen: noch noch noch! Dann wieder zum Auto zurück gekämpft und wieder zur Milchfarm. Dort haben wir uns mit einem Trinkgeld für die tolle Tour (und das kostenfreie zweite Snowmobile) bedankt. Oben in der Milchfarm war ein Restaurant, dort haben wir dann (für Island sogar recht günstig) frisch gekochtes Lammstew und selbstgemachten Kartoffelbrei gegessen. Hinterher kam raus, dass Andrei`s Frau dort arbeitet und auch alles selbst gekocht hat. Zum Abschluss haben wir dann noch eine kleine Führung durch den Stall bekommen. Und das war wirklich unglaublich. Wir hatten vor einiger Zeit mal eine Doku darüber gesehen. Dieser Stall funktioniert voll automatisch. Die Kühe können sich größtenteils frei bewegen. Sie haben Plätze zum schlafen und ausruhen, dann können sie zu den Stellen gehen wo frisches Futter liegt. Das Futter wird über fahrerlose Transportsysteme verteilt und auch regelmäßig ausgetauscht. Ganz irre ist: Wenn ihre Euter voll sind, können sie selbständig zur Melkmaschine gehen, dort werden sie von einem Automaten gemolken. Die stellen sich da wirklich ganz brav in Reih und Glied und fädeln sich nacheinander in das Gatter ein, wo sie auf der Position zum melken stehen bleiben. Sollte eine Kuh mal vordrängeln, wird sie von den anderen Kühen gnadenlos zurück auf ihren Platz geschubbst. Wenn das doch mal im Supermarkt so gut funktionieren würde 😊 Und Wellness gibt es auch – wenn sie eine Rückenmassage möchten, stellen sie sich unter die installierten Bürsten und lassen sich schubbern. Lediglich bei den Kälbchen – die alle in Einzelboxen sind, werden die Milcheimer vom Bauern befüllt. Aber auch da bedienen sich die Kälbchen nach Bedarf. Laufen tun die Kühe auf breiten Holzbohlen, der Mist kann jedoch gut zwischen den Bohlen abtropfen und wird - natürlich ebenfalls voll automatisch – entfernt. Ich habe es noch nie erlebt, das in einem Stall mit immerhin knapp 300 Tieren so Ruhe herrscht und auch so viel Platz ist. Das war wirklich beeindruckend. Bevor wir dann weiter sind, haben wir – obwohl wir das sonst nicht tun- mit Andrei und seiner Frau Maria die Kontaktdaten ausgetauscht. Die beiden sind ursprünglich aus Rumänien und wirklich sehr nett. Wir haben versprochen ihm die (wenigen) Fotos der Tour zu schicken und eine gute Bewertung auf Tripadvisor zu machen. Vielleicht trifft man sich wirklich noch mal wieder, das Leben ist ja immer für Überraschungen gut. Gegen 14.30 Uhr sind wir dann los noch ein bisschen die gegen erkunden. Wir hatten von ihm verschiedene Tips bekommen. Als erstes sind wir daher Stokknes gefahren, östlich von Höfn. Dort haben wir uns in dem Viking Café bei einem heissen Kakao etwas aufgewärmt. Dann sind wir weiter zu einer F-Strasse, die recht gut befahrbar sein sollte. Das war sie dann auch- und die Landschaft war wie so oft hier einfach traumhaft. Und ausser uns weit und breit niemand anderes. Dann langsam zurück Richtung Höfn. Dort eine Runde durch den Ort gedreht. Oh, der Netto hatte geöffnet (zur Info – wir hatten Sonntag und zusätzlich Nationalfeiertag!). Dort noch einen weiteren Kühlschrankmagneten gekauft (davon kann man nie genug haben) und zwei kleine Islandflaggen zum Aufbügeln auf unsere Vereins-Shirts. Dann langsam wieder Richtung Hotel. Oh, aber da war ein weitere Jökull (Hoffellsjökull) ausgeschildert – also ein Gletscherarm des Vatnajökull. Den hatten wir bereits gestern auch großer ferne photografiert – mal schaun wie nah man dran kommt. Tja, knapp 20 min später wussten wir – man kommt bis ganz dicht ran. Wow, das hätte ich nicht erwartet. Riesig groß – trotzdem kann man deutlich erkennen wir sehr der Gletscher zurückgeht und dass er Jahr für Jahr etliche Meter verliert. Jetzt noch Sonne auf dem Gletschersee – das wäre der Höhepunkt gewesen. Aber man kann nicht alles haben. Immerhin kein Regen mehr, also auch mal mit kleinen Dingen zufrieden sein. Das war ein toller Abschluss eines tollen Tages. Jetzt freuen wir uns auf eine heisse dampfende Dusche und sind gespannt was morgen kommt.