Freitag, 24. Juni 2022
Heute geht es weiter Richtung Süden. Von Lillehammer sind es noch 800 km bis zur Fähre. Unser Ziel ist es, Trelleborg bis Samstag am späten Mittag oder frühen Nachmittag zu erreichen. Mal schauen wie weit wir heute kommen. Wir entschliessen uns mal wieder, die großen Strassen zu meiden und soweit es geht auf Nebenstrassen auszuweichen. Unser Tagesziel ist Halden, dort wollen wir die FestungFredriksten besichtigen. Heute ist es warm, um nicht zu sagen heiss. Ja, wir wissen dass es in Deutschland die letzten Wochen heisser war, aber wir kämpfen mit den hier aktuell herrschenden 28° schon ganz ordentlich. Die Fahrt ist recht unspektakulär, die Landschaft schön aber nicht mehr so beeindruckend wie im Norden. Ein Stück müssen wir über die E6, und das ist mal wieder ein teurer Spaß. Alle paar Kilometer kommt ein Mautschild, hier 2 ?, da 2,4 ?, in Summe werden es heute Abend sicherlich 20 ? sein. Nun verlassen wir die Autobahnund es geht wieder auf kleineren Strassen weiter. So langsam ist die Luft raus, und während ich mich schon auf daheim freue, ist mein Mann doch eher wehmütig und würde gerne noch 4 bis 17 Wochen dran hängen. Aber nun heisst es erst mal wieder Taler verdienen. Und ausserdem ist der nächste Urlaub ja in Sichtweite, denn Mitte August geht es für eine Woche an die Ostsee und Ende September nochmal für 10 Tage nach Skandinavien. Wir erreichen Halden gegen 15 Uhr. An der Festung ist nicht allzuviel los, allerdings haben die gestern wohl auch den Sankt Hans Tag gefeiert, denn innerhalb der Festung sind gigantische Bühnen und Bestuhlungen für hunderte Gäste aufgebaut bzw. werden gerade abgebaut. Der Museumsshop hat zum Glück gerade noch geöffnet, so dass wir noch ein Buch über die Festung kaufen können. Neben vielen Bildern ist auch die Geschichte der Festung ausführlich beschrieben, da hab ich zuhause was zum nachlesen. Die Festung ist riesig, auf Grund der Hitze geben wir jedoch nach 2 Stunden auf. Zum einen ist es uns einfach zu warm um dauern Treppauf- und ab zu laufen, ausserdem sind quasi alle Gebäude und Räume verschlossen. Scheinbar sind alle im Wochenende, denn normalerweise kann man viel mehr besichtigen. Gegen 17 Uhr laufen wir zurück zum Parkplatz. Wir wollen noch ein bis zwei Stunden weiterfahren, und wollen uns Richtung Meer orientieren. Denn heute ist ja unsere letzte Nacht für diesen Urlaub im Womo, morgen schlafen wir auf der Fähre. Von daher wäre ein letzter Abend am Meer schon nett. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn die meisten Parkplätze sind mittlerweile für Wohnmobile gesperrt. Und die Campingplätze sind überfüllt, da heute Mittsommer-Abend ist und die Schweden gerne auf Campingplätzen feiern. Dann finden wir einen Platz über eine Camper-App, aber die wollen für einen Platz ohne alles (kein Strom, kein Mülleimer, kein WC) umgerechnet 25 ?. Nö, 10 oder auch 15 wären ok, aber nicht 25! Nach einigem hin- und her finden wir dann doch noch einen Parkplatz im Hafen von Grebbestad. Hier ist ein riesiges Polizeiaufgebot, scheinbar geht hier nachher die wilde Party los. Aber das ist prima, die können wir direkt fragen ob wir die Parkplatzschilder richtig übersetzt haben. Und tatsächlich, wir können hier ganz offiziell bis morgen früh um 10 Uhr kostenfrei stehen. Die Sonne lacht noch immer, also laufen wir nochmal los und bummeln durch den Hafen. Das Abendessen ersetzen wir durch ein dickes Eis. Im Hafen ist Party, aber weniger in den Lokalen (die meisten sind geschlossen) sondern mehr privat auf den Booten. Und dazu jede Menge fette alte Amischlitten, die die Strassen und die Parkplätze auf und ab cruisen. Am Ende des Hafens ist ein kleiner Strand. Dort ziehen wir unsere Schuhe aus und kühlen unsere Füsse eine Runde im Wasser ab. Dann setzen wir uns auf eine Bank, und während unsere Füsse trocknen telefonieren wir einen Runde mit Muttern. Dann geht es zurück zum Parkplatz. Als erstes lüften wir Tatzel gründlich durch, dann machen wir uns einen Cider auf und geniessen den letzten Abend in Schweden. Morgen um die Zeit sind wir vermutlich schon auf der Fähre.



Die Nacht ist ruhig, und nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Lillehammer. Aber wie fast immer nehmen wir natürlich nicht den direkten Weg. Mein Mann hat wieder kleine Strassen ausgesucht, und wir fahren idyllisch durch kleine Birkenwäldchen, über Hochebenen, vorbei an funkelnden Seen und können uns nicht satt sehen an der Natur und der Weite. Vorbei geht es am Strondafjorden, in Ferset tanken wir Tatzel und füllen unsere Wasservorräte auf. Dann noch die Kassette leeren und weiter geht es. Nun fahren wir auf der FV2442, wieder einer Schotterpiste. Aber die Strasse ist breit und fährt sich prima. An der Lenningen Fellstuj machen wir eine kurze Pause, dann geht es weiter über Forset bis Lillehammer. In Lillehammer fahren wir zu einem öffentlichen Parkplatz an einer Badestelle, dort beginnt auch ein Wanderweg. Angeblich idyllisch durch den Wald und an diversen Wasserfällen und Stromschnellen entlang. Aber das mitten in der Stadt? Wir sind skeptisch. Das Wetter ist fantastisch, wobei es uns tatsächlich mit 23° schon zu warm ist. Gut dass wir die erste Hitzewelle in Deutschland verpasst haben. Wir packen unsere Jacken in den Rucksack, dazu zwei Bananen und zwei Flaschen zu trinken, los geht es. Der Weg beginnt an einer Brücke und führt dann entlang des sogenannten Mesna Kultursti. Der Weg führt tatsächlich durch einen Wald, über Wurzeln, und Steine, immer entlang an einem Bach mit unzähligen kleinen Wasserfällen und Stromschnellen, dazwischen gibt es jede Menge Bademöglichkeiten. Und das ganze quasi in der Stadt, unglaublich. Zwischendurch verzweigt sich der Weg und wir sind etwas orientierungslos, aber ein Spaziergänger weist uns den richtigen Weg, und weiter geht es ? immer bergauf. Denn das Ziel ist Lysgårdsbakken, die Sprungschanzen von Lillehammer. Gebaut wurden die beiden Schanzen für die Olympischen Spiele 1994, es handelt sich um eine Normal- und eine Großschanze. Aber noch sind wir nicht da. Wieder suchen wir, wo es weiter geht, denn die Markierung von dieser Route hat durchaus optimierungspotential. Ein Mann spricht uns und fragt was wir suchen. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich raus, dass er vor 20 Jahren als junger Mann nach Norwegen ausgewandert ist. Er freut sich sichtlich, mal wieder etwas in seiner Muttersprache zu hören, und erzählt von seinem Hobby als Naturphotograph. Dann fragen wir ihn nach dem Freilichtmuseum, dort findet heute Abend das Mittsommerfest statt, das in Norwegen allerdings Sankt Hans Fest heisst. Er rät uns, dort hinzugehen, ist sich allerdings nicht sicher ob es an der Abendkasse überhaupt noch Tickets gibt. Mal schauen, wenn es nicht zu spät wird, versuchen wir es einfach mal. Die Veranstaltung läuft von 18 Uhr bis ca. 23 Uhr. Aber erst einmal müssen wir weiter. Noch einer weiteren halben Stunde über Stock und Stein erreichen wir einen Sessellift, der aktuell nicht in Betrieb ist - und wir haben einen fantastischen Blick über Lillehammer. Nun kann es nicht mehr weit sein. Wir gehen weiter und kurz danach sehen wir dann einen Reisebus stehen, und da sind auch die beiden Schanzen. Der Bus voll Schweizer hat zum Glück keinen so langen Aufenthalt, von daher schauen wir erst mal ein wenig die Umgebung an. Na prima, es hätte auch einen Sessellift hier rauf gegeben. Aber das kann ja jeder, wir haben uns den Weg von der Stadt hoch in der Hitze hart erarbeitet! Als der Bus seine Fahrgäste wieder eingesammelt hat, haben wir die tolle Aussicht für uns. Und die 936 Stufen, die uns wieder Richtung Stadt führen. Aber zuerst gibt es natürlich wieder eine Photo-Session. Die Schanzen sind aber auch wirklich sehenswert! Die Großschanze ist abgesperrt, aber an der Normalschanze ist die Tür auf und wir können wirklich an der Stelle stehen wo die Springer sonst sind. Da muss man schon Mut haben, um da runter zu springen. Wir machen uns an den Abstieg, und die Stufen haben eine total schreckliche Höhe. Ganz flach, so dass man nur Trippelschritte machen kann. Dabei muss man aber vorsichtig sein, denn die Treppe ist echt steil, da sollte man nicht ins Stolpern kommen, und schmal ist sie auch. Vor allem muss man auf Gegenverkehr bzw. überholende Jogger achten, das scheint hier eine beliebte Trainingsstrecke zu sein. Von unten ist der Blick auch respekteinflößend. Wir klettern noch die schmale Leiter zur olympischen Flamme rauf, dann reicht es. Zurück geht es zum Womo. Wir essen jeder eine Banane, trinken etwas und füllen unsere Flaschen nochmal auf. Dann geht es weiter zum Freilichtmuseum. Das öffnet um 18 Uhr mit den üblichen Attraktionen eines Freilichtmuseums, und mit noch etwas mehr Spektakel in Form von Musik und Tanz. Und um 21 Uhr wird das Bonfire - also das Freudenfeuer ? angezündet Das treibt als kleine Insel auf einem See inmitten der Museumsanlage. Wir haben Glück, es ist zwar unglaublich viel los, aber wir bekommen noch Eintrittskarten. Drin angekommen orientieren wir uns ein bisschen, und entscheiden uns erst mal was zu essen. Aber leider ist eigentlich alles belegt. An einem Tisch mit drei älteren Damen (wie wir später erfahren zwischen 73 und 80 Jahren) ist noch Platz, und wir werden freundlich eingeladen uns dazu zu setzen. Eine der Damen hat Deutsch studiert und freut sich, mal wieder deutsch zu sprechen. Damit aber alle etwas verstehen, einigen wir uns auf ein Gemisch von deutsch und englisch. Da es sicherlich spät wird, nutzen wir den Abend und gönnen uns eine norwegische Spezialität namens Rømmegrøt. das ist ein Sauerrahmbrei den es in süß mit Zucker und Zimt oder auch in deftig mit Wurst, Schinken und Flatbrød gibt. Heute abend entscheiden wir uns für die deftige Variante. Das ist sooo lecker, das werde ich unbedingt nachkochen. Die Damen verabschieden sich nach einer Weile und gehen auf Entdeckungstour im Museum, die freien Plätze werden direkt von einem Ehepaar aus Norwegen belegt. Und auch hier erfahren wir direkt, wie toll Deutschland ist und dass sie mit ihrem 640 PS starken Mercedes AMG jedes Jahr mindestens zweimal nach Deutschland fahren um über die Autobahn zu fegen. Und die Werksführung bei Audi hat er schon drei Mal gemacht, und natürlich sind das tolle Autos ? aber eben kein AMG Mercedes. Irgendwann müssen wir das Gespräch freundlich abbrechen, sonst sehen wir hier gar nichts. mehr. Wir wünschen einen schönen Abend, packen unseren Rucksack und marschieren los. Das Museum ist nett, aber leider sind nicht so viele Vorführungen wie ich erwartet habe, Ein Schmied klopft auf einer schmalen Eisenstange rum, aber so kalt wie der das Material lässt, wird das nichts. In der Töpferei stehen ein dutzend wirklich hässlicher Vasen in Pferdeform zum Verkauf, die kleinste fängt mit 85 ? an. Auf ?nem Flohmarkt bekommt man da nicht mal 50 Cent für. Die Poststelle ist aber wirklich nett gemacht, da halten wir uns recht lange auf. Dazu gibt es ein kleines Fahrzeugmuseum mit den alten Postfahrzeugen und einer Harley von 1932, das ist echt ein Schmuckstück. Dann besichtigen wir das Geburtshaus von Königin Sonja von Norwegen, das ist auch recht interessant. Die Dame die ein bisschen was zu dem Haus erzählt, spricht ebenfalls akzentfrei deutsch. Scheinbar gibt es viele Auswanderer hier. Und so stromern wir durch die Anlage, und um uns rum ist Musik und ein irres Gewimmel. Die meisten haben Picknickkörbe mit, heute Abend stehen Sekt und Wassermelone hoch im Kurs. Es ist zwar noch Zeit, aber wir suchen uns schon mal einen Platz am See. Wir haben eine Picknickdecke dabei und machen es uns gemütlich. Um 21 Uhr ertönt Musik, ein Mann mit einer Gitarre singt ein wunderschönes Lied, scheinbar eine traditionelle norwegische Weise. Dabei fährt ein Ruderboot einmal rund um den See und dann zur Mitte zum Scheiterhaufen, und mit dem Ende des Lieds wird das Feuer entzündet. Nach wenigen Minuten beginnen die ersten zusammenzupacken und Richtung Ausgang zu gehen. Wir lassen den ersten Schwung durch, dann packen wir auch zusammen und machen uns auf den Rückweg zum Womo. Für die Nacht haben wir einen Parkplatz in der Nähe der Schanzen ausgesucht, das sind nur 5 min Fahrzeit. Der Parkplatz ist fast leer, ein Wohnwagen und ein paar PKW stehen hier. Die Parkgebühr beträgt 50 NOK,. allerdings pro Tag, nicht pro 24 Stunden wie wir dachten. Für die letzte Stunde vom Tag 50 NOK zu zahlen und dann nochmal für die Zeit von Mitternacht bis morgen früh sehen wir nicht ein. Wir sind eh noch wach, also werden wir um 00.01 Uhr das Ticket lösen. Ich nutze die Zeit zum tippen und Peter plant den morgigen und quasi letzten Tag - Bericht folgt.



Mittwoch, 22. Juni 2022
Der Tag startet mit Sonne, das ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Nach dem Frühstück kramen wir zusammen und machen uns auf den Weg. Wir wollen nochmal zum Vøringsfossen, vielleicht haben wir ja heute eine bessere Sicht. Also wieder den ganzen Weg zurück nach Eidfjord und Øvre Eidfjord. Dann geht es wieder durch die Tunnelkombination von Måbø- und Storegjel Tunnel. Nur ? so schnell wie gestern wird das nichts. Wir hatten gestern schon gesehen, dass der Gegenverkehr durch zwei Kolonnenfahrzeuge begleitet wurden, und bei uns gerade auf der Fahrbahn Schilder weggeräumt wurden, vermutlich war gerade Feierabend. Tja, und heute früh ist die Baustelle natürlich wieder aktiv. Kurz vorm ersten Tunnel stehen bereits einige wenige Fahrzeuge. Wir werden dann alle informiert dass der nächste Konvoi voraussichtlich in 20 min starten wird. Also haben wir Zeit. Die Aussicht an dieser Stelle ist nicht so sonderlich toll, also nutzen wir die Zeit und machen zusammen ein Kreuzworträtsel. Mama hat uns ja reichlich mit Rätselheften eingedeckt, so schnell wird uns nicht langweilig und wir tun was für unseren ?klug?, wie Mutter immer so schön sagt. Nach einer knappen halben Stunde erscheint dann der Gegenverkehr. Nachdem dann alle durch sind, setzt sich ein Kolonnenfahrzeug vorne an die Schlange, das zweite reiht sich hinten ein und los geht es. Im gemäßigten Tempo werden wir durch die Tunnelspiralen geleitet, und kurz nach dem letzten Tunnel haben wir wieder freie Fahrt. Nur wenige hundert Meter weiter biegen wir ab zum Wasserfall. Und nicht nur wir. Wir sehen schon von weitem das Gedränge auf dem Parkplatz, auf dem wir gestern kurz standen. Daher stoppen wir bereits auf dem ca. 50 m vorgelagerten Ausweichparkplatz und gehen lieber ein paar Schritte mehr. Das Wetter meint es gut mit uns, und jetzt können wir den prachtvollen und wild verzweigten Wasserfall erst so richtig erkennen. Es ist zwar (bezogen auf die Fahrzeuge) unglaublich viel los, aber die Anlage um die Wasserfälle ist so riesig, das es sich gut verteilt. In Summe sind es vermutlich 2 km oder mehr an Wegen, Brücken, Plattformen, die sich neben und über das Wasser erstrecken. Wir machen die große Runde und gehen den kompletten Loop. Ein bisschen steil, aber die Aussicht belohnt einen. Direkt oberhalb der Fälle ist ein großes Hotel mit einem riesigen Parkplatz, da müssen wir rüber um zu unserem Womo zu kommen. Und wie zu erwarten ist der Parkplatz nicht nur von Hotelgästen belegt, sondern es stehen gut 20 Wohnmobile dort. Auch wenn wir selbst so ein Teil fahren, würden wir eigentlich nie auf die Idee kommen auf einem Hotelparkplatz damit zu parken. Als wir uns die Fahrzeuge genauer anschauen, stellen wir fest dass geschätzt 15 der Womo?s aus Italien sind, ob die alle zusammengehören oder ist das Zufall? Wie auch immer, wir laufen zurück zu unserem Tatzelwurm und weiter geht es. Die Route führt uns über die Hardangervidda, die größte Hochebene Europas mit ungefähr 8.000 km² Fläche. Wir wollen zum Tinnhølen, einem kleinen See ca. 15 km abseits der Panoramastrasse. Der Weg ist wohl sehr schmal, und wie so oft kostenpflichtig, aber dafür hoffentlich auch einsam. Dort startet eine mehrstündige Wanderung, die wir machen möchten. Wobei uns der Mitarbeiter in der Touristinfo in Eidfjord schon gewarnt hat, dass wir eventuell Pech haben könnten. Und tatsächlich ist die Zufahrt zum Tinnhølen durch eine Schranke gesperrt. An dieser Stelle ist auch ein großer Wanderparkplatz, allerdings starten hier nur mehrtägige Touren. das ist eher nichts für uns. Wir nutzen den Stop und machen Brotzeit. Dann kommen zwei Fahrzeuge und öffnen die Schranke. Wir sind sofort hin und haben gefragt ob wir auch durchkönnen. Leider nicht, die Strecke wird erst im Juli für Touristen geöffnet. Also müssen wir mal wieder umdisponieren. Wir fahren weiter auf der Panoramastrasse, und da wir ja jetzt Zeit haben, fahren wir gefühlt jeden dritten Parkplatz an um Photos zu machen. Und dann klärt sich unsere Frage bzgl. der Italiener, denn als wir nach einem Photostop zurück auf die Hauptstrasse wollen, haben wir unfreiwillig eine kleine Pause. Sage und schreiben 17 Wohnmobile aus Italien kommen im Konvoi die Strasse lang, und erst als alle durch sind ? und noch ein paar PKW?s die dahinter festhängen, kommen wir aus dem Parkplatz raus. Boah, wie machen die das abends? Die müssen ja immer den halben Campingplatz buchen. Ne, also mit 17 Fahrzeugen im Konvoi von Italien in den Norden? NIEMALS! Aber die finden das vermutlich toll, sonst würden die das ja nicht tun. Also hängen wir nun dahinter, aber die fahren tatsächlich meist relativ zügig, so dass es uns egal ist. In Gol fahren die dann alle raus (und blockieren dabei erst einmal den Kreisverkehr), wir biegen eine Abfahrt vorher ab und kaufen noch kurz ein paar Lebensmittel ein, denn abends wollen wir Lachs grillen. In Gol fahren wir dann nicht mehr auf die 7 sondern auf die 51, wir wollen ein bisschen aus dem Trubel raus. Die Straße ist neu asphaltiert und tatsächlich, sofort lässt der Verkehr spürbar nach. Dann geht es auf eine noch kleinere namenlose Strasse, jetzt wird es wieder spannend. Und wie so oft ? erstmal 50 NOK für die Durchfahrt. Jetzt sind wir allerdings auch quasi alleine. Die Strecke führt sehr idyllisch hoch zu den Skipisten, das ganze hier ist eindeutig ein Skigebiet. Die Strecke ist toll und wir haben die Fenster runter und geniessen die Fahrt. Dann erreichen wir einen Stausee, der allerdings recht leer ist. Und dann dürfen wir nochmal zahlen ? das ist komisch. Aber jetzt alles wieder zurück fahren macht auch keinen Sinn. Also zahlen wir erneut 50 NOK. Mittlerweile schauen wir schon immer, ob wir einen Platz für die Nacht sehen, und nach einiger Sucherei finden wir dann tatsächlich ein schönes Fleckchen. Weit genug weg von den nächsten Häusern, ein Stück weg von der Strasse und idyllisch am Ende eines Sees gelegen. Während ich mit den Essensvorbereitungen starte und Peter den Grill aufbaut, ziehen blökend Schafe direkt an uns vorbei. Schön ist es hier! Der Lachs ist lecker, dazu gibt es Brot und selbstgemachten Knoblauchdip, Vampire besuchen uns heute Nacht wohl eher nicht. Bevor ich den Abwasch mache, tippe ich aber erst einmal. Und dann schauen wir mal, was wir an den letzten 2-3 Tagen hier noch machen.



Dienstag, 21. Juni 2022
Nach dem Frühstück starten wir Richtung Hardangervidda. Nach dem unglaublich sonnigem Tag gestern ist nun der Regen zurück und der Himmel ist grau in grau. Die Route führt uns zuerst nach Gudvangen, dort waren wir ja bereits bei unserer kleinen Fjord-Kreuzfahrt mit der ?Future of the Fjords? vor 3 Tagen. Weiter geht es nun über die E16 Richtung Vossevangen. Vorher stoppen wir aber noch kurz beim Tvindefossen, einem weiteren großen Wasserfall. Aber selbst der schönste Wasserfall macht im Regen nicht ganz so viel Spaß. Man merkt dass diese Gegend touristisch wieder viel mehr erschlossen ist, Wohnmobil an Wohnmobil kommt uns entgegen. In Vossevangen verlassen wir die E16 und wechseln auf die 13, den Hardangervegen, und dann können wir auch bereits einen ersten Blick auf den Hardangerfjord erhaschen. Die Strasse ist recht schmal und es ist viel Verkehr, also stehen wir abwechseln mit dem Gegenverkehr in den Ausweichbuchten, um aneinander vorbeizukommen. Wie mag das hier erst im Juli oder August aussehen? Nun erreichen wir Kvanndal, dort geht es dann auf die Fähre nach Utne. Die ersten beiden Wartespuren sind bereits voll, und auch in der dritten stehen schon Fahrzeuge, wir reihen uns geduldig ein. Wir haben Glück, die Fähre kommt gerade an und die ist riesig, da kommen wir sicherlich noch mit. Das ?ausladen? dauert nur wenige Minuten, und bald schon können wir drauf rollen. In Utne fahren wir von der Fähre runter und biegen direkt wieder links zum Fähranleger ab, denn wir wollen von hier noch weiter bis Kinsarvik. Es stehen erst zwei Fahrzeuge am Anleger, wir ordnen uns dahinter ein und warten. Und wir warten und warten? dann google ich eine Runde und stelle fest, dass die letzte Fähre um 12.05 Uhr abgelegt hat und die nächste erst um 14.55 Uhr fährt. Ok, das heisst wir haben Zeit. Ich richte uns eine leckere Brotzeit her, und wir picknicken eine Runde. Aber wir haben immer noch Zeit. Es regnet gerade mal nicht, also steigen wir aus und erkunden den Anleger. Es gibt einen kleinen Shop der von 06.00 Uhr bis Mitternacht geöffnet hat, täglich. Wir schauen rein ?und man merkt man ist in Norwegen. Denn der Shop ist unbemannt und es ist alles in Selbstbedienung. Neben Eis und Süßigkeiten gibt es Campingbedarf, Spielzeug, Werkzeug, Getränke, Lebensmittel, Tiefkühlpizzen und eine Mikrowelle für die Zubereitung und und und. Bezahlt wird per Kreditkarte an einer Selbstbedienungskasse. Das Ganze ist Kameraüberwacht, und bei Problemen kann man eine Handynummer anrufen (vermutlich vom Hotel gegenüber). Ob sich so etwas in Deutschland durchsetzen würde, vermutlich nicht. Zurück am Womo können wir endlich in etwas Entfernung die Fähre sehen. Oh, die ist ganz schön klein, aber zum Glück stehen wir ja weit vorn in der Schlange. Die Fahrt dauert 25 min, aber man kann leider nicht wirklich viel sehen. Draussen schaut man vor die Bugwand, und drin schaut man durch zugeregnete Scheiben. Nach 10 min gehen wir zurück zum Womo und verbringen die restliche Überfahrt dort. Dann erreichen wir Kinsarvik, von dort geht es weiter Richtung Eidfjord bzw. Øvre Eidfjord. Wir fahren zum Norsk Natursenter Hardangervidda, um uns über Wandermöglichkeiten und gesperrte Trails zu informieren. Dabei erfahren wir direkt, das unsere Wanderung am Tinhølen vermutlich ausfällt wegen Schnee, aber wir wollen trotzdem morgen mal hinfahren und schauen wie schlimm es tatsächlich ist. Dann bekommen wir ein paar Tips für alternative Wanderungen, irgendwas finden wir also bestimmt. Nun brauchen wir noch einen Platz für die Nacht. Vielleicht haben wir ja Glück, ganz in der Nähe vom Vøringfossen ? dem angeblich bekanntesten Wasserfall Norwegens ? gibt es einen Parkplatz. Aber wir wissen nicht ob der nicht eventuell auch für Übernachtungen gesperrt ist. Also fahren wir durch die spektakukären Mabø- und Storegjeltunnel. Oben angekommen ist die Sicht quasi Null, na prima. Der Parkplatz ist groß, allerdings sehr voll. Trotzdem finden wir eine Lücke und laufen zu der gerade neu eröffneten und gigantischen Aussichtsplattform. Aber wir können nur das Donnern des Wassers hören, die Gischt spritzt uns nass und die Sicht ist wirklich bei null. Spaß halber machen wir ein Photo der Nebelwand. Dann drehen wir um, vielleicht fahren wir morgen nochmal hier hin. Der nächste Versuch ist das Simatal. Dort beginnt am Kraftwerk ein Wanderweg zu einem Wasserfall, den wir vielleicht machen wollen. Vielleicht haben wir ja Glück und wir können über Nacht stehen. Aber wie so oft ist auch hier überall Parkverbot. Wir fahren bis fast ans Ende der Strasse, als wir ein Sackgassenschild sehen, wenden wir und fahren zurück. Gerade entschließen wir uns, zurück zum Natursenter zu fahren (da war Übernachten erlaubt) als wir an einem kleinen Anglerparkplatz vorbeikommen. Es steht schon ein Womo aus Kleve dort, aber wir passen da noch gut neben. Scheinbar sind die ?Bewohner? noch unterwegs, auf jeden Fall hören und sehen wir nichts. Aber Peter erkennt das Fahrzeug wieder, die haben vorhin mit uns auf die Fähre gewartet. Wir richten uns gemütlich ein, da kommen die beiden angewandert. Sie sind am Wasserfall gewesen. Wir quatschen eine Viertelstunde miteinander, dann wollen die beiden erst mal grillen und auch für uns wird es Zeit zum Abendessen. Aber zuerst will ich noch zu Ende tippen. Und mal schauen was der morgige Tag so bringt.