Donnerstag, 3. Januar 2019
Die Planung steht - auch 2019 geht es wieder in den Norden und wir wollen ein Wohnmobil nehmen! Diesmal geht es allerdings nicht nach Island - auch wenn es uns schon gereizt hätte. Doch wir müssten in Island für einen geländetauglichen Camper für 3 Wochen gut 8.000 € zahlen. Bei aller Liebe zu Island - das ist es uns nicht Wert. Also haben wir überlegt und uns entschieden, diesmal Skandinavien zu erkunden. Und zwar möglichst bis zum Nordkap hoch. Der Camper war recht schnell gebucht - allerdings hat der wohl keine Klimaanlage. Ist uns bei der Buchung nicht aufgefallen, aber Mama's Argusaugen entgeht nichts. Aber wie dem auch sei - in unserer Lotte haben wir ja auch keine Klimaanlage. Das kriegen wir schon hin. Nun geht es an die Tourenplanung. Die Fähre Rostsock-Trelleborg ist bereits gebucht und wir starten im Uhrzeigersinn, also geht es als erstes an die Ostküste Norwegens. Die nächsten Wochenenden beginnt die detailplanung - ich freue mich schon!



Dienstag, 9. Oktober 2018
Als erstes: Mein Lieblingsehemann hat heute Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch und alles Liebe und Gute an dieser Stelle. Ich weiss was wir heute vor einem Jahr gemacht haben – ein riesengroßes IPSC-Match. Da wird unser heutiger Tag hoffentlich entspannter 😊 Nach einem späten Frühstück studieren wir nochmal die Strassenkarten und entscheiden uns für einen Ausflug Richtung Akranes. Der Ort bietet eigentlich nichts besonderes, aber wir wollen doch mal durch den Tunnel unter dem Hvalfjordur durchfahren. Das letzte Mal haben wir den Fjord komplett umrundet, das heben wir uns diesmal für den Nachmittag auf. Los geht es – wie gehabt – nördlich am Þingvallavatn vorbei auf die 48. Die Strecke ist größtenteils Baustelle, scheinbar wieder eine Schotterpiste die geteert werden soll. Schade eigentlich. Dann biegen wir auf die parallel verlaufende, aber kleinere 461 ab, die am Meðalfellsvatn vorbeiführt. Auch hier wird gebaut – und das heisst für uns dann erst mal eine kurze Zwangspause. Denn wenn ein Muldenkipper beladen wird, kann das schon mal dauern. Also Motor aus, die Kamera geschnappt und in der Zeit ein bisschen die Landschaft photografiert. Irgendwann ist der Kipper dann auch voll und wir kommen vorbei. Dann erreichen wir den Fjord. Am gegenüberliegenden Ufer sieht man die größte und umweltfreundlichste Aluminiumhütte der Welt - Norðurál. Die gesamte Energie wird durch Wasserkraftwerke und Geothermal-Kraftwerke erzeugt. Das wäre in anderen Ländern kaum vorstellbar. Kurze Zeit später sind wir am Hvalfjarðargöng – so heisst der Tunnel. Die Maut - zur Tunnelfinanzierung – war auf 20 Jahre begrenzt. Das heisst wir haben Glück, die Tunnelmaut wurde am 28.09.2018 offiziell aufgehoben und wir dürfen kostenlos fahren. Die Geschwindigkeit ist hier auf 70 km/h begrenzt. Für die Enge des Tunnels ist das durchaus in Ordnung. Wenn ich da an den Aubinger Tunnel denke, da darf man auch nur 80 km/h, obwohl der deutlich besser ausgebaut ist. Auffällig ist im Tunnel die schlechte Luft. Man sieht zwar unter der Decke Ventilatoren, aber die Luft ist trotzdem staubig und riecht auch so. Nach knapp 6 km ist alles schon wieder vorbei. Wenn man bedenkt dass pro Tag ca. 5.000 Fahrzeuge hier durchfahren, die sich 50 km Umweg durch den Fjord sparen, dann hat sich der Aufwand für den Tunnel gelohnt. Drüben angekommen fahren wir zum Leuchtturm, bzw. zu den Leuchttürmen. Wieder merkt man, dass die Saison sich dem Ende neigt. Das kleine Visitor-Center ist geschlossen, die Leuchttürme leider auch. Also nur zu Fuss ein bisschen am Ufer lang und ein paar Photos gemacht. Als nächstes wollen wir zum Glymur, einem Wasserfall der etwas versteckt in der Spitze des Fjords liegt. Der direkte Weg ist uns natürlich zu langweilig, also geht es wieder ab auf kleinere Strassen. Tja, und obwohl unser Navi die Strasse, kennt, sie in unserer Karte eingezeichnet ist und auch Google Maps und dort lang schickt – kommen wir nach knapp 5 km an eine Schranke. Wie mittlerweile oft in Island, werden die Zufahrtstrassen der Sommerhaussiedlungen mit Schranken versehen. Auf der einen Seite können wir verstehen, das die genervt sind wenn 20 mal am Tag ein Tourist vor ihrer Tür lang fährt. Aber dann bitte doch die Schranke an den Beginn der Strasse mit einem Hinweisschild. Erst nach 5 km eine Schranke ohne ein Schild nervt dann doch. Also wieder zurück. Dann weiter auf der „Hauptstrasse“ zum Glymur. Am Parkplatz stehen schon etliche Autos. Zu Fuss sind es eine Richtung gute 3 km. Eigentlich kein Problem. Allerdings muss man zweimal durch einen kleinen bzw. einen recht breiten Bach. Dann noch durch eine enge Höhle. Und der Weg – so fern man es so nennen kann – besteht entweder aus losen Felsblöcke oder 10 cm dicken Match. Nach einem knappen Kilometer kehren wir um. Sich komplett einzusauen bzw. nass zu machen ist uns der Wasserfall nicht wert. Einer der Dinge die auf die Liste für den nächsten Besuch kommen – mit dem Hinweis: Nicht bei Regen! Es ist mittlerweile recht spät geworden, und wir entscheiden uns, doch noch ins Fontana Bad in Laugarvatn zu fahren. Da wir die Badesachen bereits fertig gepackt im Auto liegen haben, brauchen wir nicht erst zum Cottage zu fahren. Nach etwas mehr als 1 Stunde kommen wir an. Das Bad ist deutlich kleiner als die blaue Lagune – aber um Längen schöner! Wir haben natürlich auch Glück es ist nicht allzu viel los. Wir probieren die verschiedensten Becken aus, liegen im warmen Wasser und genießen den Blick auf den See. Dann kommen wir mit einem jungen Paar aus der Nähe von Paderborn ins Gespräch. So vergeht die Zeit wie im Flug. Zwischendurch tauchen einzelne Polarlichter am Himmel auf. Zwar nur schwach, aber doch zu erkennen. Wir können uns kaum trennen, so gemütlich ist es im warmen Wasser. Aber es nutzt ja nichts, denn langsam knurrt uns der Magen. Daheim gibt es dann erstmal eine Brotzeit - und wir vernichten so langsam die Reste. Denn in nicht mal 36 Stunden steht die Rückreise an. Als wir im Cottage sind checkt Peter uns schnell noch ein. Reihe 4, wie beim Hinflug. Nun heisst es schon mal, die Koffer zu packen, morgen früh geht es los Richtung Reykjavik. Und für die letzte Nacht wollen wir nicht mehr das ganze Gepäck mit ins Zimmer schleppen. Und während Peter mit dem packen beginnt, klappe ich den Laptop auf…



Sonntag, 7. Oktober 2018
Für heute steht ein Ausflug in das Landschaftsschutzgebiet Reykjanesfólkvangur auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin machen wir aber als erstes einen Abstecher zur Ljósafoss Power Station, einem Hydro-Power Kraftwerk. Es gibt ein kleines Besucherzentrum, dort erfährt man viel über das Kraftwerk selbst mit seinen 3 Wasserkraft Turbinen. Aber auch zum Thema regenerative Energien allgemein wird viel erklärt. Wirklich schön und interessant gemacht, mit vielen interaktiven Displays und Experimentier-Stationen. War den Umweg auf jeden Fall wert! Weiter geht es dann wieder Richtung Nesjavellir. Von da aus wollen wir die 435 nehmen Richtung Reykjavik. Große Schilder warnen, dass die Strasse von Oktober bis Mai nur auf eigene Gefahr zu befahren ist, es gibt keinen Winterdienst. Da es noch ganz gut aussieht, fahren wir erstmal drauf los. Dann wird es schon ein wenig glatter, zum Teil liegt Schnee. Die Steigungen und Gefälle dort betragen zum Teil mehr als 14%. Auch wenn für Peter noch alles unproblematisch ist, mir macht das gerade keinen Spass – bin halt doch ein Schisshase. Dann kommt uns ein Einheimischer entgegen, der uns auch davon abrät, weiter zu fahren. Der Strassenzustand soll sich in die Berge rein noch verschlechtern, ausserdem wird es einspurig. Peter juckt es immer noch, weiter zu fahren. Aber dann entscheidet er sich doch, wieder zurück zu fahren. Da wir die Pläne ändern müssen, ändern wir direkt richtig. Also erst einmal nach Selfoss. Dort tanken – und ganz nebenbei auch einen leckeren Burger vernichten. Wir haben zwar eine Brotzeit eingepackt – aber dann ist halt das Abendessen nachher direkt fertig, wenn wir heim kommen. Mit vollem Tank geht es dann von Selfoss aus an die Küste nach Eyrarbakki. Dann wollen wir vor Þorlákshöfn wieder ein kleines Stück Richtung Norden und dann nach Westen auf die 380. Tja, aber die ist aktuell leider eine Sackgasse. Vermutlich ist mittendrin ein Stück weggeschwemmt. Wir wissen es nicht, Fakt ist aber, da geht es nicht lang. Also weiter in nördlicher Richtung auf der Strasse bleiben, bis wir auf die 1 – die Ringstraße kommen. Wie erwartet nimmt der Verkehr zu, die Ringstrasse ist nun mal die Lebensader von Island und daher auch die Strasse mit den meisten Touristen. Aber wir bleiben nicht lange drauf, denn bereits nach kurzer Zeit erreichen wir die Grenze des Naturschutzgebietes. Also Blinker links und Richtung Thrihnukagigur Volcano. Nach ein paar Kilometern sind wir plötzlich mitten im Winterwunderland – und die dicken weissen Schneehauben auf den pechschwarzen Vulkanhügeln bilden ein irren Kontrast. Die Strasse ist zum Teil gut verschneit, aber mit dem geschotterten Untergrund macht es keine Probleme. Wir könnten stundenlang so weiter fahren. Doch kurz nachdem wir den Vulkan hinter uns lassen, ist auf den Strassen wieder Herbst. Statt den Park komplett auf der 42 zu durchqueren verkrümeln wir uns bereits nach kurzer Zeit auf eine kleine Schotterpiste. Und da fängt es an, richtig Spaß zu machen. Keine anderen Fahrzeuge, tolle Landschaft, jede Menge Wasserfurten. Das ist der Grund warum wir Island so lieben. Irgendwann kommen wir an der Küste raus – ein toller Anblick wie die Sonne auf dem Wasser glitzert! Langsam wird es Abend, und zurück durch den Park nehmen wir dann doch die 42, vorbei an dem wunderschönen und großen See Kleifarvatn mit seinen heißen Quellen. Überall dampft es aus der Erde, immer wieder ein toller Anblick! Dann sind wir zurück in bewohnteren Gebieten. Heimwärts stoppen wir nochmal in Selfoss und waschen das Auto ab, mittlerweile ist es so eingesuhlt dass man kaum noch die Türgriffe anfassen kann. Dann zurück und Daumen drücken, denn für heute Abend ist eine hohe Aktivität in Bezug auf Polarlichter angesagt. Mal schauen was der Abend so bringt.
P.S. und wir haben Glück - der Abend bringt jede Menge wundervoller Polarlichter 😊