Sonntag, 3. Mai 2026
¶ Cannes
ir kommen nur schwer aus dem Bett und haben schlecht geschlafen, warum auch immer. Darum sind wir heute auch etwas später mit dem Frühstück dran, aber egal, wir haben ja keine Eile. Gegen 9.30 Uhr radeln wir los zum Bahnhof Biot, heute geht es jedoch mal in die andere Richtung als sonst, denn wir wollen nach Cannes. Wie üblich kaufen wir die Tickets direkt am Automaten, heute sind wir auch alleine und es geht mittlerweile wirklich flott, wenn man das System kennt. Mit dem Zug sind es nur 3 Stationen bis Cannes, es dauert keine Viertelstunde, bis wir unser Ziel erreicht haben. Die Sonne lacht und es ist ordentlich was los. Überraschenderweise haben auch einige Geschäfte geöffnet, obwohl Sonntag ist. Wir laufen vom Bahnhof einfach los geradeaus Richtung Strand. Wir haben nichts Bestimmtes vor und wollen einfach mal eine Runde durch die Stadt bummeln. Denn ehrlichgesagt fehlt uns ein bisschen die Motivation –das ist jetzt die dritte „Mondäne“ Stadt in drei Tagen, und irgendwie reicht es dann doch langsam. Am Strand halten wir uns rechts und laufen zum „Palais des Festivals et des Congrès“, dort wird gerade für die Filmfestspiele in drei Wochen aufgebaut. Die Menschen stehen in Schlangen an um mich sich gegenseitig auf dem „roten Teppich“ bzw. vor dem Schild Cannes zu photographieren. Das ist es uns jedoch echt nicht wert, und wir machen aus der Distanz ein paar Bilder. Weiter geht es nun an der Uferpromenade, und zwar laufen wir jetzt den gesamten Boulevard de la Croisette entlang. An der Promenade führen alle paar Meter Treppen runter zum Strand, aber der gesamte Bereich ist bewirtschaftet. Das heisst man muss entweder in einem der Restaurants essen oder sich eine (zugegebenermaßen sehr komfortable) Liege mieten. Das günstigste Gericht beginnt üblicherweise bei knapp unter 50 € und eine Liege ist für den Tag durchaus im dreistelligen Bereich. Unglaublich! Ungefähr bei zwei drittel der Strecke kapern wir uns zwei der überall kostenlos rumstehenden blauen Stühle und setzen uns auf die Promenade. Diese Stühle gibt es auch in Nizza (ebenfalls in blau) oder in grün in Paris in den Tuilerien. Sie sind extra schwer damit der Wind sie nicht umwerfen kann. Wenn man überlegt, was man wenige Meter weiter am Strand zahlen muss, ist es erstaunlich, dass die Stadtverwaltung seit fast 100 Jahren diese Stühle pflegt und die gesamte Promenade damit gratis für alle Gäste und Einheimischen bestückt. Direkt hinter uns ist ein kleiner Kiosk, der Espresso kostet hier 1,60 € - kaum zu glauben. Aus dem Pappbecher, aber heiss und aus einer richtigen italienischen Espressomaschine, sehr lecker. Wir bleiben noch eine Weile sitzen, und schauen zu wie ab und zu ein Hubschrauber am Quai du Large landet. Dort starten/landen sowohl Rundflüge als auch Transfer Flüge zu dem Flughafen Nizza und nach Monaco. Dann laufen wir weiter zum Yachthafen und schauen uns ein paar schicke Yachten an, aber da spielt die Reisekasse nicht mit. Weiter geht es in die Altstadt, und mittlerweile haben fast alle Geschäfte geöffnet. Wir bummeln durch die Gassen, schauen ab und zu mal in einen Laden, aber bis auf zwei Ansichtskarten kaufen wir nichts. Dann kommen wir zur Allées de la Liberté Charles de Gaulle, dort findet ein großer Antiquitäten- und Trödelmarkt statt. Wir bummeln die Stände entlang, immer rechts haltend damit man auch alle Stände sieht. Dann setzen wir uns noch ein bisschen an den Quai vom alten Hafenbecken. Eigentlich wollen wir mit dem Boot zu den Îles de Lérins fahren, aber das macht gar keinen Sinn. Wir sind in der Vorsaison, und sowohl das Museum als auch die Festung sind noch geschlossen. Und nur um ein bisschen Spazieren zu gehen brauchen wir keine 40 € für ein paar Minuten Fährfahrt auszugeben. Langsam bummeln wir durch die Altstadt zurück, und machen noch eine kurze Pause. Wir haben ein kleines Café entdeckt, und wollen noch einen Abschiedsespresso trinken, hier sind die Preise ja doch deutlich humaner als in Monaco oder Nizza, sofern man nicht an der Promenade ist. Wie immer zahlen wir bar und fragen nach schönen 2 Eurostücken, aber leider hat das Café so gut wie kein Wechselgeld. Egal, wir sitzen in der Sonne und schauen noch ein bisschen dem Trubel zu, als die Bedienung plötzlich nach nebenan ins Fischgeschäft flitzt, hektisch zu uns zeigt, redet und plötzlich wieder zu uns kommt. Strahlend legt sie uns zwei 2-Euro Stücke auf den Tisch, die sie aus dem Fischgeschäft bekommen hat. Monaco und Jaques Chrirac, wie nett ist das denn! Wir bedanken uns sehr herzlich, sie freut sich und wir freuen uns auch! Nun geht es los Richtung Bahnhof, kurz vorher kommen wir noch an einem Supermarkt vorbei. Dort kaufen wir noch ein bevor wir dann zum Bahnhof gehen. Wir haben wieder mal Glück und müssen nur gute 10 Minuten warten, dann sitzen wir im Zug, der uns in 14 Minuten nach Biot bringt. Noch 5 Minuten radeln und wir sind „dahoam“. Wir haben neue Nachbarn bekommen, denen Peter erst einmal mit einem Adapter zum Wasser befüllen aushilft. Dann gibt es einen netten Klönschnack, bevor es dann an die Arbeit geht. Fahrräder hinten drauf, Markise rein, Teppich, Tisch und Stühle rein, Wasser auffüllen etc. In der Zwischenzeit sauge ich Tatzel einmal durch, schlage die Teppiche aus, putze Bad und Küche, denn gerade auf so engem Raum muss alles an seinem Platz und sauber sein. Dann gehen wir duschen und während ich schon tippe versucht sich Peter an der Planung der kommenden Tage. Das wird nicht einfach, denn die kommenden drei Tage soll es in ganz Frankreich stürmen, gewittern und vor allem Starkregen geben. Mal schaun wie wir nun weiter machen, wir sind noch etwas ratlos.