Die Nacht ist durchwachsen und zu kurz, aber das passiert. Ich gehe schnell Haare waschen während sich mein Mann rasiert, dann gibt es nur einen Kaffee und wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Das Ticket können wir im Bus kaufen, allerdings zahlen wir gemeinsam 7 €, was grundsätzlich für die Strecke ein fairer Preis ist, aber mehr als wir vorab als Info bekommen haben, die Auflösung dazu bekommen wir am Nachmittag auf der Rückfahrt. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir den Hauptbahnhof von Marseille. Die Busfahrt führte zuerst an einigen Haltestellen hier in Septèmes-les-Vallons vorbei, dann ging es auf die Autobahn und die einzige Haltestelle in Marseille ist dann der Hauptbahnhof. Als erstes müssen wir nun zum Tourist Office in der Stadt, denn wir müssen unser gestern Abend online gekauftes Ticket gegen den 2 Tages Pass eintauschen. Das geht ziemlich schnell, und dann laufen wir erst einmal zum Vieux Port und stellen uns am Ticketschalter an. Denn leider können wir nirgendwo mit dem 2 Tages Pass direkt reingehen, sondern müssen jedes Mal vorher den 2 Tages Pass gegen ein Ticket tauschen. Wir wollen als erstes zum Chateau d’If, dazu müssen wir aber natürlich erstmal zur Insel fahren. Das Boot soll in wenigen Minuten ablegen, die Schlange am Ticketschalter ist lang. Plötzlich dürfen alle, die noch auf das Schiff wollen, vorgehen, und bereits zwei Minuten später halten wir dann doch noch die Tickets in unseren Händen und flitzen über die Gangway. Die Fahrt ist kurz aber schön, und vor allem haben wir nicht nur einen tollen Blick auf die Frioul-Inseln sondern auch auf Marseille und die Notre Dame de la Garde. Auf Chateau d’If dann das gleiche Spiel – am Ticketschalter zur Besichtigung der Insel und des Gefängnisses steht eine riesige Schlange. Aber wir haben wieder Glück, und alle mit City Pass können einfach durchgehen, wie schön. Das Chateau d’If erweist sich dann allerdings als nur mäßig spannend, da hätte man definitiv mehr draus machen können. Aber egal, zum einen war es im Preis enthalten, ausserdem habe ich das Buch als Kind nicht nur einmal gelesen, und nun kann ich sagen dass ich schon mal da war. Nun geht es mit dem Boot wieder zurück, erneut bei strahlendem Sonnenschein. Kurz bevor wir im Hafen anlegen, müssen wir stoppen, denn wir müssen die Hafenfähre passieren lassen, die mit einer Strecke von 283 eine der kürzesten Fährverbindung der Welt ist. Zurück an Land wollen wir als erstes dann eigentlich mit dem kleinen Touristenzug hoch zur Kathedrale, aber beim Bummeln am Hafen entlang sehen wir dass Marseille fast Preise wie in der Normandie hat, also suchen wir uns ein gemütliches Restaurant direkt im Vieux Port. Peter entscheidet sich für Moules Frites, ich bestelle mir Tartar. Dazu gibt es wie so oft in Frankreich Brot und Butter, und eine große „Karaffe“ Wasser. Die Karaffe ist eine leere Pastis-Flasche, und wir haben uns schon gewundert das hier an jedem Tisch gerade Pastis gebechert wird. Tja, doch nur Wasser… Nach dem leckeren Essen machen wir uns auf den Weg zur Haltestelle der Bimmelbahn. Ticket getauscht, und schon sitzen wir im Zug. Die Durchsagen sind mehrsprachig, französisch, englisch, deutsch, italienisch im Wechsel, alles sehr gut gemacht. Zuerst geht es ein wenig durch den Hafen, dann kämpft sich die Bahn den steilen Berg rauf bis direkt vor die Kathedrale. Dort oben herrscht das absolute Verkehrschaos, denn viele sind mit dem Auto bis raufgefahren. Wir steigen aus der Bahn und laufen die Stufen hoch – und Mutter hatte vollkommen recht: Der Ausflug lohnt – denn der Blick über die Stadt ist absolut atemberaubend. Wir machen – wie sollte es anders sein – ungezählte Photos. Dann werfen wir auch noch einen Blick in die Kathedrale, bevor wir uns auf einen Spaziergang rund um das Gotteshaus machen. Wir haben keinen Zeitdruck die kleinen “Züge“ fahren im 10-Minuten-Takt. Dementsprechend stehen wir auch gerade erst eine Minute an als unsere Bahn kommt. Der Rückweg geht deutlich schneller – zum einen geht es bergab, und zwar richtig steil. Ausserdem fährt die Bahn jetzt auch auf dem kürzesten Weg zurück. Wir sind jetzt eh schon auf der Nordseite des Vieux Port, also am Quai du Port, von da laufen wir jetzt zur Cathédrale du Major, noch ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Weiter geht es dann durch das Altstadtviertel Le Panier, und nachdem wir die kleinen Gassen kreuz und quer und rauf und runter durchlaufen sind, machen wir uns auf den Rückweg. Als erstes geht es nun bergauf, denn wir müssen zurück zum Bahnhof. Und alles was wir heute früh entspannt runtergelaufen sind, müssen wir jetzt wieder bergauf laufen. Etwas abgekämpft erreichen wir den Bahnhof. Der nächste Bus fährt erst in 40 Minuten, Zeit also sich mit dem Fahrkartenschalter auseinanderzusetzen. Und siehe da, hier kostet ein Einzelticket dann auch nur 1.80 €! Aber so ganz sicher sind wir nicht, ob das auch das richtige ist. Als der Bus kommt, gehen wir, das Ticket wird gescannt und – TADA – es ist richtig. Dann sehen wir auch das Schild, das im Bus gekaufte Tickets 3.50 € kosten, also quasi fast das doppelte. Es sind nur 7 Minuten Zeit bis zur Abfahrt, also sprinte ich nochmal raus und kaufe direkt für morgen früh die Tickets, und schon haben wir 3,40 € gespart. Zurück am Womo gibt es erst einmal ein ausgiebiges Telefonat mit Mama, und während Peter schon mal Tisch, Stühle und Teppich wegräumt, setze ich mich an die Tastatur. Ich bin nämlich sehr müde und möchte gerne früh ins Bett. Ein schöner aber auch anstrengender Tag ist zu Ende. Mal schauen was uns Marseille morgen noch alles zeigt, heute was es auf jeden Fall ein schöner Tag!