Heute starten wir erneut nach Marseille. Wir haben noch ein paar Dinge auf unserem 2 Tages Pass abzuarbeiten. Als erstes steht der Hop on off Bus auf dem Programm. Wir gehen zum Ticketschalter und erhalten nach Vorlage des Marseille City Pass ein Tagesticket für den Colorbüs, wie der offene Doppeldeckerbus hier heisst. Als wir einsteigen, ist der Bus bereits rappelvoll, obwohl das hier eigentlich die Starthaltestelle ist, und noch kein Bus komplett rum sein kann, seltsam. Wir steigen erst einmal unten ein und planen, an der dritten Haltestelle auszusteigen, um erst einmal zur Zitadelle zu gehen. Allerdings steigen an zweiten Haltestelle einige Leute aus und wir bekommen oben tolle Plätze. Also entscheiden wir uns spontan, sitzen zu bleiben und eine komplette Runde zu drehen. Mittlerweile kommen die Kommentare aus einer App, wir haben natürlich brav unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht, wie beschriebene. Leider haben das nicht alle und so hört man den Text in allen Sprachen aus diversen Handys tönen, aber das hatten wir bereits vermutet. Stört allerdings auch nicht sehr, da wir ja eh unsere Knöpfe im Ohr haben und der deutschen Routenbeschreibung lauschen. Wir sind am Rathaus gestartet – oder wie es hier so schön heisst, dem Hôtel de Ville. Vorbei am Theater La Criée geht es zum Palais du Pharo. Dann fahren wir am wunderschönen Plage des Catalans vorbei, der lustigerweise wie das deutsche Wort „Plage“ ausgesprochen wird, ansonsten ist die Übersetzung perfekt. Nun kommt der kleine Hafen Vallon des Auffes, die Corniche Kennedy und dann geht es die Serpentinen rauf zur Basilika der Notre Dame de la Garde. Hier leer sich der Bus dann rapide, aber wir waren je bereits gestern hier oben und bleiben sitzen. Jetzt kommt direkt eine weitere Kirche, wir halten an der Abbey Saint Victor, bevor wir am Place aux Huiles wieder am Vieux Port ankommen. Nun geht es weiter, vorbei an der Capitanerie zur Cathédrale La Major. Auch hier waren wir gestern bereits, trotzdem machen wir natürlich das ein oder andere Photo aus dem Bus raus. Der längste Part der Tour ist wirklich toll, aber ab dem Haltepunkt Joliette wird es nun zäh. Der Bus steht gefühlt ewig, dann biegt er ab und fährt noch zu dem Sonderhaltepunkt mit den Bussen der Kreuzfahrtschiffe. Das erklärt warum unser Bus vorhin schon so voll war, der ist hier nämlich scheinbar gestartet. Ruckzuck ist der mittlerweile fast leer gewesene Bus wieder bis auf den letzten Platz besetzt, einige stehen sogar. Denn müssen wir erneut eine Runde über den Platz Joliette fahren. Wieder steht der Bus eine gefühlte Ewigkeit, bis er weiterfährt. Als letzte Haltestelle kommt nun das MUCEM mit der Brücke zum Fort, auch das steht heute noch auf unserem Plan. Nach 90 Minuten statt der angegebenen 60-75 Minuten haben wir den die Rundfahrt einmal geschafft. Wir steigen jedoch nicht aus, wir wollen ja trotzdem noch zur Zitadelle und vorher zum Parc und Palais du Pharo. Das hätten wir uns besser mal gespart, denn nach wenigen Metern im Park wird Peter angeschissen, und zwar so richtig. Eine (bzw. der Menge nach eher ein Geschwader) Möwe hat sich über ihm ausgelassen und es klatscht ihm ins Gesicht, auf die Brille, das Shirt und die Hose. Unglaublich, so einen Dreck habe ich lange nicht gesehen. Peter reinigt sich Gesicht und Brille, ich laufe zur Pforte des Parks und frage nach ob hier und irgendwo Wasser ist. Die nette Dame erklärt mir direkt den Weg zu dem kleinen Brunnen auf dem Kinderspielplatz. Die Hose hat Peter fast sauber, aber das Shirt sieht aus als wäre es verloren. Doch so schnell geben wir nicht auf. Peter drückt immer wieder den Wasserknopf, ich lasse das Shirt wieder und wieder durchspülen. Und nach gut 5 Minuten scheint wirklich alles sauber zu sein. Peter wringt einmal gründlich aus, dann hängt er es sich zum trocknen über die Schultern und nach ein paar Minuten ist es trocken und von der ganzen Tragödie ist nichts mehr zu sehen, was ein Glück. Nun gehen wir rüber zur Zitadelle, und stehen mal wieder vor vielen vielen Stufen. Oben angekommen erfahren wir, dass die nächste Tour leider ausgebucht ist und wir zwei Stunden warten müssen, ausserdem ist sowohl die ausgebuchte Tour als auch die in 2 Stunden nur in französisch. Das dauert uns zu lange, also laufen wir die Treppen wieder runter, und machen uns auf den Weg zum Ferryboat, der kleinen Hafenfähre. Auch die ist in unserem Marseille Pass enthalten, die Fahrt dauert ja nur wenige Minuten wie gestern beschrieben. Nun laufen wir weiter zum Mucem, einem Museum das 2013 anlässlich der Ernennung Marseilles als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2013 eröffnet wurde. Wir wählen den Zugang über das Fort Saint-Jean, und laufen erst eine Runde über die alten Befestigungsanlagen. Zum Museum geht es über eine spektakuläre Brücke, die wir bereits vom Wasser aus und vom Bus aus photographiert haben. Also das Gebäude des Mucem ist schon sehenswert, aber die Ausstellungen sind eher gewöhnungsbedürftig, frei dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg. Zum Glück war auch hier der Eintritt bereits im Pass enthalten, also kein Verlust, sonst hätten wir uns sicherlich geärgert. Nun laufen wir weiter zum Anismuseum, dass sich in den Docks befindet. Die Docks sind umgebaute Lagerhallen vom alten Hafen, dort sind Bars, Kneipen, lokale Handwerksgeschäfte und eben auch das Anismuseum „Maison Yellow“. Unser Ticket beinhaltet eine Probe eines Anishaltigen Getränks, wir entscheiden uns für einen Pernod aus Marseille. Das ist schon mal nichts für uns, igitt. Aber wir bekommen auch eine „Fahrt“ im Mehari, das ist ein typisches französisches Freizeitauto mit Kunststoffkarosse von Citroën, das bis Herbst 1987 gebaut wurde. Die Fahrt ist aber nur ein Film mit 4 D Effekten, also Film, Ton, Rappeln und einmal etwas Wasser die Gischt simulieren soll, als wir übers Wasser fahren. Dauer ca. 5 Minuten (in einem echten Mehari sitzend) und sehr lustig gemacht, es geht einmal durch Marseille, und zwar über die Strassen per Auto, Skateboard, Fahrrad, per Boot übers Wasser und irgendwie auch mal durch die Luft. Aber ansonsten überzeugt uns das Museum samt Riesenshop nicht. Nun laufen wir zum Platz Joliette (wo wir heute schon zweimal waren). Wir steigen in die Straßenbahn, die uns binnen 15 Minuten hoch zum Palais Longchamp bringt. Auch hier ist (wie vorhin auch schon hinter dem Mucem) ein großes Festival im Gange. Es erinnert an Kassel Wilhelmshöhe mit den Kaskaden (natürlich in Kleinformat) aber leider laufen nur die beiden Fontänen im Brunnen. Wir laufen einmal rauf, stromern eine kurze Runde durch den riesigen Park und machen uns nun langsam mal auf den Rückweg. Wir laufen runter bis zu der schönen Kirche Saint Vincent de Paul, und machen ein paar Bilder, dann laufen wir weiter zu Metrostation. Denn Bus und Strassenbahn sind wir ja schon gefahren, U-Bahn fehlt noch. Bis zum Hauptbahnhof ist es allerdings nur eine Station, und schon stehen wir wieder am Bus nach Septèmes-les-Vallons. Also alles in allem ist Marseille deutlich besser als sein Ruf, und müde aber zufrieden kommen wir am Campingplatz an. Nun heisst es planen, wie wir weiter machen wollen.