¶ Lagrasse
Heute steht nicht viel auf dem Programm, darum schlafen wir mal eine Runde länger, was wirklich gut tut. Dann gehen wir zu unserem Gastgeber von France Passion, mit dem wir gestern nur kurz telefoniert hatten. Er beendet gerade eine Weinprobe mit unseren Campingnachbarn, die dann auch noch einige Kisten der Köstlichkeiten erstehen. Dann sind wir dran. Als erstes bedanken wir uns, dass wir dort stehen durften und fragen was er für den Strom bekommt, denn das ist keine übliche Leistung. Aber er lehnt lächelnd ab und sagt, das sei für ihn Service und wir könnten auch gerne noch unseren Wassertank füllen. Aber der ist noch voll, wir sind versorgt. Natürlich bummeln wir auch einmal durch seinen Laden. Er bietet uns ebenfalls eine kostenlose Weinprobe an, aber um diese Zeit und zumal wir ja noch fahren müssen, lehnen wir freundlich ab. Wir nehmen noch eine Flasche Sekt mit, denn wenn wir schon so toll stehen dürfen, ist das für uns selbstverständlich das wir auch immer eine Kleinigkeit aus den Hofläden mitnehmen. Dann frühstücken wir mit leckerem französischen Brioche, den wir neulich aus dem Supermarkt mitgenommen haben. Peter nabelt uns vom Strom ab, dann sind wir schon reisefertig. Heute geht es nach Lagrasse, einem kleinen Mittelalter-Städtchen im Départements Aude. Die Fahrt ist kurz, aber sicherlich anstrengend, denn der Sturm bläst fast so heftig wie damals in Schottland. Peter hat permanent beide Hände fest am Lenkrad, denn Tatzel bietet natürlich auch ordentlich Angriffsfläche. Nach ca. 1,5 Stunden erreichen wir den Wohnmobilstellplatz. Für 9 € darf man 24 Stunden stehen. Wir ziehen ein Ticket am Automaten (denken wir zumindest) und laufen los in die Stadt. Mit den schmalen Gassen, dem überdachten Marktplatz und den winzigen Lädchen ist es wirklich nett anzusehen. Dann laufen wir ausserhalb der Stadtmauer entlang zur Abtei. Wir müssen noch warten, noch sind die Tore geschlossen. Aber es stehen schon etliche Besucher davor und warten. Dann endlich kommt eine Angestellte und öffnet die Tore für uns. Der Eintritt ist frei – eigentlich – aber eine Spende zur Restaurierung ist erbeten. Also werfen auch wir unser Scherflein ein. Dann geht es als erstes durch den Innenhof der Anlage. Die Abtei ist noch in Betrieb, es gibt einen Zweig mit sogenannten Regularkanonikern (also geweihte Priester ohne Mönche zu sein) und einen weiblichen Zweig mit Ordensschwestern. Wir gehen nun durch den Kreuzgang und können einen Blick in den Lese- und Gebetssaal werfen. Spannend ist der Blick in den Speisesaal, die großen Tische sind sehr einfach eingedeckt: Teller, Messer, Gabel und ein Zinnbecher, dazu stehen (wir sind ja in Frankreich) auf jedem Tisch eine Essig- und eine Ölflasche und ein Zinnkrug für Wasser. Zum Sitzen dienen einfache Holstühle. Nun geht es in die Kirche der Abtei. Diese (sowie auch Nebengebäude) werden gerade aufwendig und sehr liebevoll restauriert, alles ist eher schlicht und gefällt uns wirklich gut. Wenigstens sieht man hier, was mit den Spenden gemacht wird. Überall stehen Infotafeln mit Bildern vorher/nachher, so dass man den Baufortschritt der letzten Jahre verfolgen kann. Auch der Klostergarten ist sehr schön und gerade spielt das Wetter auch noch mit. Aber schwarze Wolken kommen drohend näher. Wir haben unseren Rundgang beendet und machen nun noch einen kurzen Abstecher ins Café der Abtei, denn ich muss mal für kleine Mädels, und der Espresso kostet hier 1,50 €, Preise wie in der Normandie! Wir machen uns nun zurück auf den Weg ins Dörfchen, und finden dort eine kleine nette Bäckerei. Wir kaufen ein Baguette zum Abendessen und gönnen uns jeder noch ein kleines Törtchen mit Zitronencreme zum Mitnehmen, meines hat auch noch eine Baiserhaube drauf. Der Sturm legt wieder zu, es regnet zwischendurch leicht, aber nichts Ernstes. Zurück am Womo schauen wir uns nochmal unser Parkticket genau an, denn Peter hat gesehen, dass bei den anderen der Parkschein klein und rechteckig ist und ganz fett gedruckt das Kennzeichen trägt, unser Ticket sieht eher aus wie ein Kreditkartenbeleg. Laut Kameraübersetzung schaut alles gut aus, aber irgendwas passt nicht. Wenn man das Wort „abandon“ einzeln übersetzt heisst das so viel wie abgebrochen/abgelehnt. Vorsichtshalber gehe ich damit zu unseren französischen Nachbarn, die mir das bestätigen. Also haben wir vorhin kein Ticket gebucht sondern nur einen Beleg bekommen, dass unsere Buchung abgebrochen wurde, vielleicht konnte die Karte nicht gelesen werden. So ein Mist, hoffentlich war nicht gerade in den letzten 4 Stunden eine Kontrolle. Peter flitzt nochmal zum Ticketautomat – gleiches Spiel. Dann probieren wir es mit Bargeld, und tataaaa – nun haben wir ein Parkticket mit unserem Kennzeichen drauf. Sehr schön, gut dass wir nochmal nachgeschaut haben. Es beginnt wieder zu regnen und wir verkrümeln uns rein. Bei dem Sturm schabt permanent ein Zweig aussen am Womo, der kann zwar keinen Schaden anrichten, aber das Geräusch ist schrecklich. Kurzentschlossen packt Peter ein Messer und stutzt den Baum etwas zurecht – jetzt ist Ruhe. Wir essen unseren Kuchen und machen es uns gemütlich. Wir rätseln, lesen, stromern durchs Internet, telefonieren lange mit Muttern und so geht der Abend rum. Morgen geht es weiter nach Carcassonne, hoffentlich kommen wir wieder bei einem Gastgeber von France Passion unter, das wäre echt schön.
eowynrohan am 14. Mai 2026