Samstag, 23. Mai 2026
Der letzte wirkliche Urlaubstag ist angebrochen – morgen ist ja „nur“ noch ein Reisetag. Wir schlafen schlecht, es ist heiss und wir sehnen uns zurück zu Temperaturen um die 20°. Aber es ist wie es ist, und auch diese schwitzige Nacht hat irgendwann ein Ende. Mittlerweile haben wir 4,5 Gläser Marmelade weggeputzt, soviel essen wir sonst in einem halben Jahr nicht, für die letzten beiden Tage bleibt es nur noch etwas Traubengelee und ein bisschen von der leckeren Ovomaltine-Schokocreme. Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke, dann cremen wir uns ordentlich ein, denn die Sonne brennt bereits vom Himmel. Peter hat schon die Räder vom Träger geholt, nun heisst es Helme auf, Handschuhe an und los geht es. Die sieben Kilometer lange Strecke führt die ersten vier Kilometer an der Isère entlang, wunderschön zu radeln. Dann erreichen wir den Stadtrand, und auch hier geht es (fast) durchgehend auf Radwegen bis zur Talstation der Seilbahn. Wir sind ja schon oft Seilbahn gefahren, und das nicht nur in Deutschland sondern wirklich weltweilt. Aber so etwas ungewöhnliches wie die „Bulles de Grenoble“ haben wir auch noch nicht gesehen. Es gibt zwei „Gondelzüge“, die aus jeweils 5 zusammenhängenden runden Gondeln bestehen, die wie dicke Glaskugeln aussehen. In Gondel 1-4 befindet sich eine mittlere Säule, an der 6 kleine Klappsitze befestigt sind. Man sitzt also mit dem Rücken zur Mitte und hat eine vollkommene Rundumsicht nach draussen. Die letzte Gondel ist für Kinderwagen, Rollatoren oder Rollstühle reserviert, da fehlt die mittlere Säule und die Bänke sind an der Rückwand befestigt. Wir kaufen unsere Tickets (Seniorenticket gibt es erst ab 75 Jahre…) und schon fährt auch ein Gondelzug ein. Und schon sind wir unterwegs hoch zur Bastille die über der Stadt thront. Die Fahrt ist „interessant“, es quietscht übel und ist rappelig, aber nun gut, die Bahn ist jetzt auch schon 50 Jahre alt. Wir sind froh, als wir oben sind, denn in der Kugel ist es stickig heiss. Draussen laufen wir nun eine Runde über das Gelände, machen wieder jede Menge Photos und geniessen den Ausblick über die Stadt und die Isère. Wir versuchen unseren Stellplatz von hier oben zu finden, aber ohne Erfolg. Wir sehen das Restaurant mit der tollen Terrasse und entscheiden uns, dass es Zeit für eine Kaffeepause ist. Wir bestellen jeder nur einen Espresso, dazu kommt der obligatorische Krug mit Wasser. Aber der Platz direkt vorne auf der Terrasse mit Blick über die Stadt ist traumhaft – und was an den Tischen neben uns gerade serviert wird sieht genauso traumhaft aus. Also lassen wir uns die Karte geben und es gibt ein tolles Urlaubs-Abschieds-Essen. Satt und etwas ausgeruht laufen wir nun weiter, nun geht es die steilen Stufen runter Richtung Mandrin-Grotten. Diese dienten ursprünglich als Steinbruch während des Baues der Bastille, und wurden später aber in das Verteidigungssystem integriert, so dass Soldaten bei Bedarf Angreifern in den Rücken fallen konnten. Viele Stufen geht es nun rauf, aber schön kühl und spannend zu laufen. Als wir die Höhle verlassen kommen wir auf dem großen Parkplatz raus, zu dem wir ursprünglich per Womo fahren wollten. Allerdings haben wir vorher rausgefunden die die Steigung (bzw. das Gefälle) der Strasse 30 % beträgt. Na, das haben wir uns dann vorsichtshalber doch gespart. Wir laufen wieder zurück zur Bastille und machen uns langsam auf den Weg zurück zum Téléphérique, der Gondelbahn. Gerade fährt eine Bahn ein, aber es stehen zu viele an, also müssen wir eine Runde aussetzen, aber bei der nächsten kommen wir mit. Unten angekommen schauen wir kurz, aber unsere Räder stehen noch fest angekettet. Wir laufen nun los ins Städtchen. So richtig interessant ist es aber nicht, wir laufen eine Weile die Gassen rauf und runter, dann gibt es noch einen Abschieds-Espresso – 1,70 € mit einer Karaffe eiskaltem Wasser und einem Stück Schokolade. So langsam ist aber die Luft raus, also laufen wir wieder zurück zur Isère und der Talstation, schwingen uns auf die Räder und 30 Minuten später sind wir zurück am Womo. Zum Glück haben wir den ganzen Tag die Klima laufen gehabt, von daher ist es drinnen halbwegs aushaltbar. Trotzdem setzen wir uns erst einmal draussen hin, ich koche Kaffee, dazu gibt es ein Eis. Peter checkt nochmal Tatzel durch, bevor es morgen dann auf die Piste geht. Und gegen 20.30 Uhr verkrümeln wir uns dann doch rein. Peter bucht noch die Maut für die Schweizer Autobahn morgen, und ich tipper den letzten Tagesbericht für diesen Urlaub. Ausserdem wollen wir gleich auch noch duschen, wir sind echt durchgeschwitzt und unser Wassertank ist ausreichend gefüllt. Morgen heisst es dann Strecke machen. In Gilching ist ein kurzer Stop geplant, um Mama Käse und Rillette zu übergeben. Und ja, nach vier Wochen freuen wir uns auf zu Hause – und das ist auch gut so.
Hier noch ein Nachtrag zu gestern: Kurz bevor wir gestern Grenoble erreicht haben, kommen wir zur sogenannten „Rampe von Laffrey“. In den letzten Jahrzehnten kam es auf der Abfahrt von Laffrey zu mehreren Unfällen, an denen meist Reisebusse beteiligt waren, deren Bremsen versagten. Mehrere Fahrzeuge fuhren mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h bergab und kamen in der scharfen Kurve vor der Brücke von der Fahrbahn ab. Es gab in Summe mehr als 150 Todesopfer. Daher wird die Strecke nun überwacht: Fahrzeuge bis 2,60m Höhe können diese Stelle langsam passieren, alles was darüber geht wird auf eine extra Ausfahrt geleitet und angehalten, mittels eine Zufahrtsschranke wird geprüft ob das betreffende Fahrzeuge (Gewicht < 7,5 T) weiterfahren kann oder auf einer Umleitungsstrecke nach Süden zurückgeleitet wird. Also müssen auch wir rechts auf die Sonderspur, es öffnet sich die erste Schranke und wir fahren ein. Unser Kennzeichen wird auf einer Tafel digital angezeigt, dann dauert es gut 30 Sekunden und die zweite Schranke öffnet sich - wir dürfen passieren. Wie bereits bei den vielen Pässen der letzten Tage nutzt Peter auch hier massiv die Motorbremse, um die Bremsen zu schonen, und wir kommen sicher über die Passage. Am Ende befindet sich übrigens auch noch ein Kiesbett wie es jetzt auch in Herborn.