Nach dem Frühstück heisst es mal wieder zusammen zu kramen und Tatzel reisefertig zu machen. Wir leeren die Toilette und füllen Wasser auf, dann muss Peter das Womo rückwärts raus bugsieren, denn die Olivenbäume, zwischen denen wir stehen, haben die Zweige teils doch recht niedrig hängen. Unsere Fahrt heute dauert nicht mal eine ganze Stunde, wir wollen zum Weingut Château Auzias, auch ein Gastgeber von Franca Passion. Zum Glück schauen wir uns vorher noch die in der App und dem Buch die beschriebene Anfahrtsinfo an, und programmieren unser Navi noch mal um. Denn so wie Google Maps uns routen wollte wären wir wohl mit unserem Womo gestrandet. Wir müssen uns dem Weingut also in einem etwas größeren Bogen aus dem Norden nähern, aber so weit ist es noch nicht. Erst einmal starten wir nun bei Lagrasse und es geht auf schmalen kurvigen Sträßchen durch die Landschaft. Der Verkehr ist ok, und das Wetter spielt halbwegs mit. Nun ist es nicht mehr weit und bis auf die letzten gut 2 Kilometer, die die Strecke einspurig ist, lässt sich alles wunderschön fahren. Am Weingut angekommen sind wir das einzige Wohnmobil, und wir dürfen uns auf der Wiese ein hübsches Fleckchen aussuchen. Üblicherweise darf man als Gast von France Passion nur jeweils eine Nacht bei einem Gastgeber stehen. Aber wir fragen freundlich und dürfen nun auch zwei Nächte hierblieben. Dafür machen wir auch direkt eine Weinprobe und tragen dann tatsächlich auch das ein oder andere Fläschen heim, denn die Preise hier sind wirklich gut und der Wein ist richtig lecker. Mal schaun ob er zu Hause genauso gut schmeckt – wir haben da ja alle schon mal unsere Erfahrung gemacht. Zurück am Womo packen wir unsere Rucksäcke, und diesmal packen wir sogar unsere Regenhosen ein und ziehen unsere Regenjacken an, denn das Wetter schaut spannend aus. Aber egal, wir schwingen uns trotzdem in die Sättel und Peter navigiert uns wunderbar über Feldwege, Trampelpfade, hohes Gras und asphaltierte Radwege bis zur Innenstadt von Carcassonne. Wir schliessen unsere Räder in der Nähe des Place Carnot an und machen uns zu Fuss auf den Weg. Es ist superschön hier, aber irgendwie ist nichts los. Wir essen eine Kleinigkeit, dann ziehen wir Google Maps zu Rate, denn wir suchen die Stadtmauern und stellen dann fest, dass die Stadt Carcassonne und die Festung eigentlich zwei getrennte Städte sind. Also laufen wir nun nochmal gut 2 Kilometer von der Unterstadt bis wir zum Beginn der sogenannten Cité Médiévale ankommen. Dabei geht es teils steile Treppen rauf, die Festung liegt halt - wie so oft – oberhalb der Stadt. Und hier ist jetzt richtig was los, Souvenirshop reiht sich an Eisdiele an Delikatessenladen und wieder ein Souvenirshop. Dazu unglaubliche Menschenmassen – und spannenderweise sind viele Briten dabei! Der Eintrittspreis für das Museum und den Spaziergang über die Stadtmauer ist mit 19 € echt happig, aber zwei Tage nach Carcassonne zu fahren und das dann auszulassen macht auch keinen Sinn. Das Wetter sieht immer noch so lala aus, eben hat es auch kurz mal geregnet, aber nichts Dramatisches. Wir kaufen unsere Eintrittskarten und dann laufen wir als erstes durchs Museum. Schön gemacht, aber nichts wirklich spannendes neues. Zwischendurch laufen wir auf den inneren Stadtmauern und haben einen Blick in die einzelnen Innenhöfe des Château Comtal, dann geht es auf die große Stadtmauer, die ungefähr 3 Kilometer lang ist und von mehr als 50 Türmen umgeben ist. Wir haben einen tollen Blick auf die Unterstadt aber auch einen schönen Blick auf den Trubel in der Altstadt innerhalb der Stadtmauern. Nach insgesamt knapp 2 Stunden sind wir durch, und bummeln noch etwas durch die kleinen vollen Gassen. Ein Baguette haben wir vorhin bereits im Carrefour gekauft – für sagenhafte 1,05 € - das Abendessen ist also gesichert. Langsam tun uns die Füsse weh und wir laufen wieder zurück in die Unterstadt von Carcassonne. Nach gut 20 Minuten sind wir wieder an unseren Rädern angekommen, nun heisst es Helme auf, Handschuhe an und los. Nach weiteren knapp 30 Minuten stehen wir wieder vor unserem Mobilen Zuhause. Wir haben mittlerweile Nachbarn aus Ebersberg. Peter tauscht sich kurz aus bzgl. Stellplätze, denn wir fahren entgegengesetzt und können so gut Erfahrungen austauschen. Ich geh schon mal rein, mir ist jetzt kalt, denn ich bin müde. Noch ein ausführlicher Anruf bei Muttern, dann decke ich den Tisch für Brotzeit, es ist auch bereits nach 21 Uhr! Schnell wasche ich mir kurz die Haare, Peter hat mir Wasser heiss gemacht, und dann hole ich den Rechner raus. Ein schöner aber auch anstrengender Tag geht zu Ende.
eowynrohan am 15. Mai 2026