Montag, 18. Mai 2026
Wir schlafen recht gut, wachen aber trotzdem müde auf. War mal wieder sehr spät bzw. früh letzte Nacht. Kurzentschlossen verlängern wir einen Tag. Ich laufe schnell zur Rezeption, zahle noch einmal knapp unter 30 € und jetzt haben wir zwei ganze Tage hier. Danach frühstücken wir in aller Ruhe – denn eigentlich wollen wir uns heute einen Faulenzertag machen, aber gegen 11 Uhr packt uns doch die Unruhe. Also machen wir uns Stadtfertig und gehen zur Fähre. Es stehen bereits viele an, aber wir schaffen es trotzdem noch aufs Boot, und die kostenlose Fähre bringt uns in wenigen Minuten über den Seitenarm der Rhône. Die kurze Zeit nutzen wir natürlich für ungezählte Photos der Pont Saint-Bénézet, wie die Brücke von Avignon eigentlich korrekt heisst, denn der Blick vom Wasser aus ist schön und bietet eine hübsche Perspektive. Schnell sind wir an Land und überlegen noch, ob wir dem Pulk der anderen folgen zu den Dom-Gärten, aber da entdecken wir einen ganz schmalen Durchgang in der Stadtmauer zur Innenstadt, die Porta Banasterie. Wir laufen nun durch die gleichnamige Strasse die eher ein Strässchen ist. Da kommt von hinten ein ganz kleiner Elektrobus angefahren, der Platz für 5 Personen hat und hier durch die enge Altstadt kurvt, wir weichen beide in Hauseingänge aus. Sowas niedliches wie diesen Bus haben wir noch nie gesehen. Wir laufen weiter bis zum Platz Carnot, und je näher wir dem Zentrum kommen um so mehr ist los. Wobei, im Vergleich zu den anderen Städten ist Avignon schon ein wenig verschlafen, aber das ist ja gar nicht so schlecht. Die Preise sind auch wieder vollkommen moderat, der Espresso – unser übliches Vergleichsprodukt – liegt hier durchschnittlich bei 1,50 €. Wir sehen am Restaurant das Tagesmenu ab 12 € und Moules frites für 14,90 €. Mal schaun, vielleicht gönnen wir uns das ja morgen. Heute haben wir nichts Besonderes vor, ausser etwas rumbummeln, Kaffee trinken und den Tag geniessen. Wir laufen zum Domplatz, und anschliessend die Stufen zur Kathedrale hinauf, deren vergoldete Marienstatue auf dem Turm Kilometerweit sichtbar ist. Allerdings hat die Kathedrale montags geschlossen, aber mal schaun ob wir morgen bei dem Besuch des Papstpalastes auch in die Kirche kommen. Es gibt ein Kombiticket Papstpalast und Brücke, das ist dann unser morgiges Programm. Heute bummeln wir nur mal durch, kaufen Ansichtskarten für unsere Sammlung daheim und noch ein Souvenir für unsere Vitrine, trinken ein Glas Wein auf dem Platz Carnot und unterhalten uns dabei sehr nett und sehr lange mit einem Ehepaar aus den Niederlanden. Nun geht es einmal die ganze Rue de Revolution lang, die Haupteinkaufsstrasse hier, aber viel Spannendes gibt es nicht zu sehen. Dann gehen wir zurück und laufen durch den Domgarten wieder zum Anlegeplatz der kleinen Fähre. Wir haben Glück und erwischen die Fähre zwei Minuten bevor sie ablegt. Zurück auf der anderen Seite laufen wir jetzt nicht den kürzesten Weg zum Campingplatz, sondern in einem großen Bogen entlang der Rhône, so sehen wir die Brücke auch noch von der anderen Seite und auch auf die Stadt haben wir einen tollen Blick und photographieren uns die Finger wund. Nun müssen wir einmal um den benachbarten Campingplatz laufen bis wir dann wieder zu unserem kommen. Damit haben wir dann auch wieder gute 14.000 Schritte, dafür dass wir heute nichts machen wollten, ist das ja ganz ordentlich. Zurück am Womo machen wir eine kurze Pause, dann geht Peter noch eine Runde schwimmen, mir ist es mal wieder viel zu kalt. Danach gehen wir duschen, und dann wartet ja auch noch der Abwasch von gestern, da hatten wir keine Lust mehr. Nun heisst es Brotzeit machen, Mama anrufen und tippen, und schwupps ist es fast wieder 22 Uhr – die Zeit fliegt.



Sonntag, 17. Mai 2026
Die Nacht ist ruhig, ausser dem Muhen der Rinder hört man nichts, die Nacht hier oben auf dem Plateau ist tiefschwarz. Am Morgen machen wir uns abfahrbereit, es geht zum Visitor Center des Viaduc du Millau. Eigentlich wollen wir nicht die gleiche Strecke wie gestern fahren, aber dann taucht ein Schild auf, das die Durchfahrt für Wohnmobile jeglicher Größe (und Wohnwagen) verbietet, also fahren wir schlussendlich doch die gleichen Serpentinen wieder zurück in die Stadt. Dann geht es einmal durch ganz Millau und auf der anderen Seite wieder rauf. Unterwegs zu einem Parkplatz, den man erreichen kann, ohne über die Autobahn zu fahren, machen wir den ersten Stop und bereits tolle Bilder. Dann erreichen wir den fast leeren Parkplatz und weiter geht die Photographiererei. Dann laufen wir unter der Autobahn durch zum Besucherzentrum, das ist aber nicht wirklich spannend, wenn man die Dokus über den Bau der Brücke gesehen hat. Aber hier können wir auch noch auf den Besucherhügel rauf, und das ist dann wirklich spektakulär. Allein die Bilder vom heutigen Vormittag würden ein ganzes Photobuch füllen, na das wird ja noch ein Spaß. Weiter geht es nun Richtung Pont du Gard, wir haben natürlich wieder eine Route ohne Maut ausgesucht. Und wieder geht es rauf und runter, Serpentinen, enge Schluchten, spektakuläre Wasserfälle, die Fahrt ist wirklich toll, aber die Trollstigen in Norwegen sind dagegen ein Kinderspiel gewesen. Das Wetter wird immer besser, wir sind heute früh bei 5° C gestartet, nun nähern wir uns fast den 20°C! Einmal wollen wir clever sein und nehmen eine Alternativroute, weil uns die beiden Wohnmobile vor uns nerven mit ihrer Bummelei. Naja, nicht alle Alternativrouten sind wirklich eine Alternative. Zum Glück behält Peter auch in solchen Situationen die Nerven und zirkelt uns sicher durch ein paar echt enge Wege. Und auch wenn es manchmal wild klingt, wenn die Zweige und Dornen am Womo langkratzen, im Endeffekt ist zum Glück nichts passiert. Ist halt blöd, wenn das Fahrzeug breiter als die Strasse ist – aber es gab keine Schilder oder Hinweise. Nun gut, das nächste Mal bleiben wir auf der empfohlenen Strecke. Unterwegs kaufen wir in einer Bäckerei ein Brot – und auch nur ein Brot. Wobei die Törtchen, Eclairs, Paris Brèst und wie es alles heisst sehr verführerisch waren. Weiter geht es nun und bald erreichen wir den Parkplatz à Gauche am Pont du Gard, also den Parkplatz am linken Ufer. Es ist einiges los, aber im Bereich der Wohnmobile ist noch reichlich Platz. Einheitspreis ist 9 €, egal was für ein Fahrzeug und wie viele Personen. Gültig ist das Ticket zwischen 8 Uhr morgens und Mitternacht, Übernacht stehen ist verboten. Wir parken und dann machen wir erst einmal in Ruhe Brotzeit. Bevor wir loslaufen ziehen wir uns um, es sind mittlerweile über 20°C. Los geht es, vorbei am Besucherzentrum und Museum, und wir laufen direkt Richtung Brücke. Es ist einiges los, aber sicherlich nicht mit dem Andrang im Sommer zu vergleichen. Ich weiss dass ich vor 45 Jahren mal hier war, die Erinnerung daran ist aber nur schwach, ich kann mich nur dran erinnern, dass wir (also Papa und ich) ganz oben rumgeklettert sind und Mama nicht so richtig begeistert war. Die oberste Ebene kann man heute nur noch im Rahmen einer Führung besichtigen, das ist schade. Also laufen wir alles ab was wir so machen können, klettern Stufen rauf und runter und machen Photos aus allen Perspektiven. Unten am Gard liegen viele am Strand und sonnen sich, und eine Handvoll mutiger schwimmt tatsächlich, wobei der Fluss sicherlich noch bitterkalt ist. Gegen 17.30 Uhr machen wir uns langsam auf den Rückweg. Unser Ticket haben wir bereits bezahlt, die Schranke erkennt unser Nummernschild und schnell sind wir vom Parkplatz runter. Nach Avignon ist es eine gute halbe Stunde Fahrt, wir halten unterwegs einmal kurz an, um etwas Obst zu kaufen, süße dunkle Kirschen und Aprikosen – sündhaft lecker. Um viertel nach 6 (also 18.15 Uhr) erreichen wir den Campingplatz. Wir checken schnell ein, dann laufen wir los, denn der Pool schliesst gleich. Ui, das Wasser ist schon noch frisch. Ich gehe nur bis zu den Knien rein, aber Peter schwimmt tatsächlich zweimal durchs ganze Becken und einmal durch den Strömungskanal, allein vom zuschauen fang ich an zu bibbern. Zurück am Womo richten wir uns dann erst einmal gemütlich ein, und starten direkt mal mit einer Flasche Sekt, die wir neulich bei einem unserer France Passion Gastgeber erstanden haben. Dann schielen wir gegenüber durch die Hecke, es sieht aus als ständen wir direkt gegenüber der Brückenreste von Avignon, und tatsächlich: Peter macht ein Photo durch ein Gittertor das in der Hecke ist – und wir stehen quasi direkt gegenüber unserer „dritten“ Brücke des Tages – oder was davon noch übrig ist. Morgen werden wir die genauer erkunden, jetzt geht es erstmal duschen und danach ist Abendessen angesagt. Peter grillt uns ein paar Würstchen, dazu gibt es Baguette, und dann ist langsam Feierabend. Unseren telefonischen Bericht haben wir natürlich auch bereits bei Mama abgeliefert, also heisst es jetzt tippen und morgen früh ist mal wieder ausschlafen angesagt.



Samstag, 16. Mai 2026
Eigentlich ist heute nochmal ein Ausflug nach Carcassonne geplant, aber das Wetter ist unschön, es regnet stark. Als der Regen endlich etwas nachlässt, ist es so spät, dass es nicht mehr lohnt, noch zum Markt zu radeln. Wir suchen die Karten raus, planen hin und her und entscheiden uns dann, doch schon eher als geplant abzureisen. Wir fahren Richtung Millau und wollen zum Visitor Center des Viaduc du Millau, der längsten Schrägseilbrücke der Welt. Autobahn ist uns natürlich zu langweilig, also sucht Peter sich eine Route, die uns einmal quer durch das französische Zentralmassiv führt. Als erstes geht es wieder die einspurige Strasse zurück zum nächsten Ort, dann fahren wir Richtung Mazamet. Die Strecke ist toll, eng, kurvig und landschaftlich schön. Das Wetter ist nicht so prickelnd, es wird immer kälter, zwischendurch regnet es immer wieder mal. Von Mazamet aus werden die Strassen immer kleiner, und es geht rauf und runter, Serpentinen folgen auf Serpentinen. Unser höchster Pass ist heute der Col der Siè mit 999 m. Die Temperatur fällt auf 2° C, die Glatteiswarnung geht an. Bei Regen und diesen Temperaturen ist das auch eine realistische Gefahr! Weiter geht es, und wir sehen ein Schild, dass in wenigen Kilometer ein kleiner Laden ist, der auch Brot verkauft (handgeschriebenes Schild). Es kommen drei weitere Schilder, und wir fahren einfach mal hin, denn wir brauchen ja noch was zum Abendessen. Der Parkplatz ist klein, aber Peter bugsiert Tatzel flink in eine Lücke, ich springe rüber zu dem Laden? Sieht seltsam aus. Ich gehe rein und stehe quasi direkt an einer Theke, an der einige Männer gerade Frühschoppen machen. Ich bin verdutzt, Frage aber dann freundlich, ob es hier Brot zu kaufen gibt, da ich das Schild gesehen habe. Und tatsächlich – der Mann hinter der Theke verschwindet kurz in einem Nebenraum und kommt dann mit einem Baguette wieder. Na prima, ich zahle und gehe raus. Und wir haben das Baguette noch nicht richtig verstaut, da verlassen alle die Kneipe und der Besitzer schliesst. Da haben wir richtig Glück gehabt und hätten keine Minute später kommen dürfen. Weiter geht es nun, und wir bleiben meist auf kleinen Strässchen. Dann erreichen wir den Ort St. Affrique und dort ist ein großer Supermarkt. Also wäre das mit dem Baguette gar nicht so wichtig gewesen. Wir stoppen nochmal auf dem großen Parkplatz, kaufen etwas Obst und direkt auch Kuchen. Zwei wirklich dicke Kuchenstücke Vanilleflan für 2 € zusammen. Weiter geht es nun zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Viadukt gut sehen soll. Der Parkplatz ist winzig und hat nur eine Einfahrt die auch Ausfahrt ist. Während Peter das Womo schon mal wendet, gehe ich bereits Photos machen. Also ja, man sieht das Viadukt, aber durch den verhangenen Himmel kann man leider die Schrägseile nur schlecht erkennen. Da es doch schon recht spät ist, und wir über bei France Passion übernachten wollen, müssen wir das Besucherzentrum auf morgen verlegen. Eigentlich müssen wir bei unserem Gastgeber bis 18 Uhr anreisen, das wird zeitlich eng und wir werden sicherlich erst um 18.10 Uhr da sein. Also rufe ich kurz an, die Dame spricht leider nur französisch. Aber wir kriegen das trotzdem hin und sie sagt wir können gerne kommen. Der Weg ist nochmal spannend, steile Serpentinen winden sich den Berg hoch, knapp 25 Minuten später erreichen wir oben ein riesiges Plateau. Wir stellen uns noch kurz vor, dann dürfen uns hinstellen, wo wir wollen. Neben uns auf der Weide grasen Kühe, auf der anderen rennen Schafe rum, idyllisch ist es hier – windig und einsam. Genau das richtige für uns. Als erstes koche ich uns einen Espresso mit der kleinen Bialetti, dazu gibt es Kuchen und dann geht es mal wieder ans Planen.