Freitag, 8. Mai 2026
Die Nacht ist durchwachsen und zu kurz, aber das passiert. Ich gehe schnell Haare waschen während sich mein Mann rasiert, dann gibt es nur einen Kaffee und wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Das Ticket können wir im Bus kaufen, allerdings zahlen wir gemeinsam 7 €, was grundsätzlich für die Strecke ein fairer Preis ist, aber mehr als wir vorab als Info bekommen haben, die Auflösung dazu bekommen wir am Nachmittag auf der Rückfahrt. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir den Hauptbahnhof von Marseille. Die Busfahrt führte zuerst an einigen Haltestellen hier in Septèmes-les-Vallons vorbei, dann ging es auf die Autobahn und die einzige Haltestelle in Marseille ist dann der Hauptbahnhof. Als erstes müssen wir nun zum Tourist Office in der Stadt, denn wir müssen unser gestern Abend online gekauftes Ticket gegen den 2 Tages Pass eintauschen. Das geht ziemlich schnell, und dann laufen wir erst einmal zum Vieux Port und stellen uns am Ticketschalter an. Denn leider können wir nirgendwo mit dem 2 Tages Pass direkt reingehen, sondern müssen jedes Mal vorher den 2 Tages Pass gegen ein Ticket tauschen. Wir wollen als erstes zum Chateau d’If, dazu müssen wir aber natürlich erstmal zur Insel fahren. Das Boot soll in wenigen Minuten ablegen, die Schlange am Ticketschalter ist lang. Plötzlich dürfen alle, die noch auf das Schiff wollen, vorgehen, und bereits zwei Minuten später halten wir dann doch noch die Tickets in unseren Händen und flitzen über die Gangway. Die Fahrt ist kurz aber schön, und vor allem haben wir nicht nur einen tollen Blick auf die Frioul-Inseln sondern auch auf Marseille und die Notre Dame de la Garde. Auf Chateau d’If dann das gleiche Spiel – am Ticketschalter zur Besichtigung der Insel und des Gefängnisses steht eine riesige Schlange. Aber wir haben wieder Glück, und alle mit City Pass können einfach durchgehen, wie schön. Das Chateau d’If erweist sich dann allerdings als nur mäßig spannend, da hätte man definitiv mehr draus machen können. Aber egal, zum einen war es im Preis enthalten, ausserdem habe ich das Buch als Kind nicht nur einmal gelesen, und nun kann ich sagen dass ich schon mal da war. Nun geht es mit dem Boot wieder zurück, erneut bei strahlendem Sonnenschein. Kurz bevor wir im Hafen anlegen, müssen wir stoppen, denn wir müssen die Hafenfähre passieren lassen, die mit einer Strecke von 283 eine der kürzesten Fährverbindung der Welt ist. Zurück an Land wollen wir als erstes dann eigentlich mit dem kleinen Touristenzug hoch zur Kathedrale, aber beim Bummeln am Hafen entlang sehen wir dass Marseille fast Preise wie in der Normandie hat, also suchen wir uns ein gemütliches Restaurant direkt im Vieux Port. Peter entscheidet sich für Moules Frites, ich bestelle mir Tartar. Dazu gibt es wie so oft in Frankreich Brot und Butter, und eine große „Karaffe“ Wasser. Die Karaffe ist eine leere Pastis-Flasche, und wir haben uns schon gewundert das hier an jedem Tisch gerade Pastis gebechert wird. Tja, doch nur Wasser… Nach dem leckeren Essen machen wir uns auf den Weg zur Haltestelle der Bimmelbahn. Ticket getauscht, und schon sitzen wir im Zug. Die Durchsagen sind mehrsprachig, französisch, englisch, deutsch, italienisch im Wechsel, alles sehr gut gemacht. Zuerst geht es ein wenig durch den Hafen, dann kämpft sich die Bahn den steilen Berg rauf bis direkt vor die Kathedrale. Dort oben herrscht das absolute Verkehrschaos, denn viele sind mit dem Auto bis raufgefahren. Wir steigen aus der Bahn und laufen die Stufen hoch – und Mutter hatte vollkommen recht: Der Ausflug lohnt – denn der Blick über die Stadt ist absolut atemberaubend. Wir machen – wie sollte es anders sein – ungezählte Photos. Dann werfen wir auch noch einen Blick in die Kathedrale, bevor wir uns auf einen Spaziergang rund um das Gotteshaus machen. Wir haben keinen Zeitdruck die kleinen “Züge“ fahren im 10-Minuten-Takt. Dementsprechend stehen wir auch gerade erst eine Minute an als unsere Bahn kommt. Der Rückweg geht deutlich schneller – zum einen geht es bergab, und zwar richtig steil. Ausserdem fährt die Bahn jetzt auch auf dem kürzesten Weg zurück. Wir sind jetzt eh schon auf der Nordseite des Vieux Port, also am Quai du Port, von da laufen wir jetzt zur Cathédrale du Major, noch ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Weiter geht es dann durch das Altstadtviertel Le Panier, und nachdem wir die kleinen Gassen kreuz und quer und rauf und runter durchlaufen sind, machen wir uns auf den Rückweg. Als erstes geht es nun bergauf, denn wir müssen zurück zum Bahnhof. Und alles was wir heute früh entspannt runtergelaufen sind, müssen wir jetzt wieder bergauf laufen. Etwas abgekämpft erreichen wir den Bahnhof. Der nächste Bus fährt erst in 40 Minuten, Zeit also sich mit dem Fahrkartenschalter auseinanderzusetzen. Und siehe da, hier kostet ein Einzelticket dann auch nur 1.80 €! Aber so ganz sicher sind wir nicht, ob das auch das richtige ist. Als der Bus kommt, gehen wir, das Ticket wird gescannt und – TADA – es ist richtig. Dann sehen wir auch das Schild, das im Bus gekaufte Tickets 3.50 € kosten, also quasi fast das doppelte. Es sind nur 7 Minuten Zeit bis zur Abfahrt, also sprinte ich nochmal raus und kaufe direkt für morgen früh die Tickets, und schon haben wir 3,40 € gespart. Zurück am Womo gibt es erst einmal ein ausgiebiges Telefonat mit Mama, und während Peter schon mal Tisch, Stühle und Teppich wegräumt, setze ich mich an die Tastatur. Ich bin nämlich sehr müde und möchte gerne früh ins Bett. Ein schöner aber auch anstrengender Tag ist zu Ende. Mal schauen was uns Marseille morgen noch alles zeigt, heute was es auf jeden Fall ein schöner Tag!



Donnerstag, 7. Mai 2026
Camping la Verdière
Heute haben wir nicht viel Programm. Morgens machen wir Tatzel fertig, dann starten wir Richtung Marseille. Wie immer fahren wir eine Strecke ohne Maut, also sind die Strassen idyllisch und schmal. Nach einer knappen Stunde stoppen wir nochmal bei einem Decathlon und stromern nochmal durch, Peter kauft sich ein weiteres Set von der Unterwäsche, die passt super und trägt sich gut. Dann fahren wir weiter, und nach einer halben Stunde Fahrt hat Peter eine Tankstelle an einem Auchan rausgesucht. Dort wollen wir dann auch noch etwas Obst und Gemüse einkaufen. Oha, die Tankstelle schaut klein und eng aus, und auch der Auchan ist nur ein normaler Supermarkt und kein Hypermarche, aber egal. Wir überlegen noch ob wir hier wirklich tanken sollen (eng!) aber die Höhe ist für Fahrzeuge bis 3.80 m frei, also haben wir da schon mal kein Problem. Peter fährt rein – und naja, hinter uns geht nun nichts mehr. Aber nutzt ja nichts, also tanken wir. Soweit, so gut, aber raus wird jetzt spannend. Denn am Boden sind aus Beton „Einweiser“ am Boden. Drüber fahren geht nicht, da in der Mitte die Stahlträger für die Dachkonstruktion sind, also muss Peter das Womo durchfädeln. Das ist nicht so einfach, denn entweder hängt ein Vorderrad davor oder ein Hinterrad, also muss er zweimal vor- und zurück und quasi das Womo quer da durch jonglieren. Während Peter cool bleibt, hat der Taxifahrer neben uns den Schweiss auf der Stirn stehen, obwohl sein Fahrzeug in keinster Weise in Gefahr war. Nach wenigen Minuten sind wir raus, und parken vor dem Supermarkt. Wir kaufen Salat, Baguette, Kuchen und eine Ananas - dann fahren wir weiter. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir den kleinen Campingplatz „La Verdière“ kurz vor den Toren Marseilles. Schnell checken wir ein, und ein Fahrplan für den Bus hängt auch an der Rezeption aus, die Fahrzeit beträgt ca. 25 Minuten, das ganze für 2 €. Als erstes gibt es nun Kaffee und Kuchen, und die nächsten Stunden sind wir mit der Planung der kommenden Tage beschäftigt. Peter bucht schliesslich den 2 Tages City Pass von Marseille, da sind viele Eintritte bereits enthalten, ausserdem haben wir an beiden Tagen alle öffentlichen Verkehrsmittel umsonst, können mit dem Hop-on-off Bus fahren, haben eine Bootsfahrt zum Chateau d‘If samt Eintritt und diverse andere Vergünstigungen. Währenddessen putze ich schon mal den Salat und bereite das Abendessen vor. Peter grillt uns zwei schöne große Schwenksteaks, dazu haben wir noch Baguette und eine Flasche Cider, alles sehr lecker. Nach dem Abwasch gibt es einen telefonischen Tagesbericht für Mutter und dann setze ich mich an die Tastatur. Und heute heisst es früh ins Bett gehen, morgen wird ein langer Tag.



Mittwoch, 6. Mai 2026
Worauf alles in Deutschland gerade wartet erfüllt sich hier – es regnet in der Nacht. Wobei regnen der falsche Begriff ist – es schüttet – es gewittert – es sind alle Schleusen geöffnet und gefühlt geht die Welt unter. Sturm und Regen sind so laut, dass man sich nicht auf Zimmerlautstärke unterhalten kann, unglaublich. Daher starten wir etwas müde und übernächtigt in den Tag. Aber da es sich ja nun ausgeregnet hat, erwartet uns dafür heute unerwarteterweise strahlender Sonnenschein, das ist schon mal prima. Nach einem schnellen Frühstück sind wir um 8.30 Uhr unterwegs zum Hafen. Es gibt drei Wartereihen, einmal für Bewohner, dann für Reisende mit einem QR-Code und dann für Gäste mit einem Papierticket, wie wir es haben. Da unsere Schlange am kürzesten ist, sind wir schnell an Bord und bekommen oben auf dem Deck einen schönen Platz. Wir müssen die Bank zwar trockenwischen, da Wasser drauf steht, aber natürlich haben wir ja immer Tücher im Rucksack. Als wir aus dem Hafen fahren sehen wir in einiger Entfernung dicke Rauchwolken über den Berghängen, scheinbar haben die Gewitter in der Nacht Waldbrände ausgelöst. Hoffentlich wurde niemand verletzt. Die Überfahrt dauert nicht lang, und nach geschätzt 20 Minuten erreichen wir die Insel. Wir laufen zuerst zum Tourist Office, aber wie im Internet bereits beschrieben wollen die einem nur teure Karten verkaufen. Zum Glück sind wir ja nicht mehr ehr in Monaco und haben daher Handyempfang – wir navigieren heute mittels Google und der Wander-App Komoot. Als erstes geht es zum Fort Sainte-Agathe, der Ausblick von oben ist wirklich beeindruckend. Ins Museum wollen wir nicht, also laufen wir wieder zurück Richtung Hafen, dort wollen wir mit unserer Wanderung starten. Wir sind gerade losgelaufen, da hören wir tieffliegende Flugzeuge, seltsam. Also biegen wir kurz nach rechts ab auf eine Wiese, dort hat man einen tollen Blick übers Meer. Aber als erstes geht unser Blick nach oben, und da kommen drei dicke gelbe Löschflugzeuge. Die fliegen in der Formation übers Wasser, ziehen hoch und drehen eine Runde. Peter vermutet, dass die prüfen wollten ob Hindernisse im Wasser sind. Und vermutlich hat er recht, denn in dem Moment hören wir die Flieger erneut anfliegen, und diesmal gehen sie wirklich ganz runter, tauchen ihren Bauch ein und nehmen Wasser auf. Später identifizieren wir die Löschflugzeuge als Canadair CL-415-Modelle, die mehr als 6 Tonnen Wasser in einem spektakulären Touch-and-go Manöver aufnehmen, und wir haben alles gefilmt und photographiert – wirklich toll. Die Flieger drehen nun mit ihrer Fracht ab und sind schnell aus unserem Blickfeld verschwunden, und wir laufen weiter bergab zum Hafen, dort starten wir mit unserer Wanderung. Schwerpunkt heute ist einfach nur Natur, die geplante Route liegt bei ca. 14 Kilometer Länge, ohne Umwege. Als erstes laufen wir einmal quer über die Insel zum Süden, dann halten wir uns etwas westlich und laufen zur Wolfsschlucht. Der Blick ist wirklich unglaublich, die Sonne lacht aber es ist auch sehr stürmisch direkt am Wasser. Peter klettert natürlich noch eine Runde unten zwischen den Felsen rum, ich bleibe oben und dokumentiere seinen Unfug den er treibt. Nun geht es immer entlang der Küste, mal sind wir nah am Wasser, dann geht es wieder ein Stück im Inland weiter. Vom Weg ist heute alles geboten, wir laufen mal auf breiten weichen Waldwegen, dann wieder auf schmalen steinigen Trampelpfaden. Dann schlagen wir uns durch die Büsche und als nächstes laufen wir an großen Olivenhainen vorbei. Und es duftet überall nach warmem Harz und Sommer, einfach schön! Immer wieder haben wir tolle Ausblicke auf die verschiedenen Buchten, machen Picknick in lauschigen Lichtungen und klettern durch Büsche. Einfach entspannend und schön nach den letzten Tagen in Monaco, Nizza, Cannes und Saint Tropez. Um 16 Uhr erreichen wir wieder den Hafen, müde aber glücklich machen wir uns auf den Weg zum Pier, und reihen uns in die Menschenschlange ein. Wir müssen nur kurz warten, dann beginnt bereits das Boarding, und 5 Minuten früher als der Fahrplan laufen wir aus, denn das Schiff ist bis Anschlag voll. Einige müssen auf das Schwesterschiff, aber ob das direkt nach uns ausläuft oder entsprechend dem Fahrplan erst eine Stunde nach uns, wissen wir nicht. Egal wir haben auf jeden Fall einen Platz bekommen. Eine gute halbe Stunde später sind wir am Womo, erstmal Schuhe aus – die Füsse glühen. Ich mache Espresso, dann räumen wir unsere Sachen weg und bereiten Tatzel und uns schon mal auf die Abfahrt morgen Richtung Marseille vor Dann heisst es duschen, und während ich Anfang zu tippern, kümmert sich Peter schon mal um die Route für morgen.