¶ Camargue
Nach dem Frühstück packen wir den großen Rucksack und fahren nach Sainte Marie de la Mére, dort wollen wir eine Runde laufen, bei Komoot hat Peter einen schönen Weg durch die Salzwiesen gefunden, knapp 8 Kilometer lang. Wir wollen auf den Parkplatz von gestern, der zwischen 6 Uhr und 18 Uhr kostenlos für Wohnmobile ist, aber Übernachtungen nicht erlaubt sind. Um auch etwas von der Stadt zu sehen wollen wir einmal quer durch fahren – und erleben unser blaues Wunder. Wo gestern noch alles „normal“ war, sind heute zig Strassen durch dicke Betonkötze in der Zufahrtsbreite auf 1,90 m reduziert und viele Bereiche auch einfach ganz abgesperrt. Dafür ist der eigentliche PKW Parkplatz direkt an der Promenade komplett mit Wohnwagen, Wohnmobilen, PKW’s, Anhängern und sonstigem belagert. Lange Stromkabel liegen quer über dem Platz, gleiches gilt für Wasserleitungen, Schläuche etc. Das fahrende Volk ist über Nacht eingefallen. Und „unser“ Parkplatz ist auch komplett blockiert durch Betonsteine. Ja, prima, aber Peter findet auf Google am Ortsausgang noch einen Stellplatz, der scheinbar für Wohnmobile zugelassen ist, und da ist gähnende Leere, vermutlich ist der den Leuten zu weit abseits. Wir prüfen nochmal die Tafel an der Einfahrt, aber bis 18 Uhr ist Parken mit dem Womo dort kostenlos möglich. Und ausserdem geht da auch unsere geplante Wanderung direkt dran vorbei, also alles prima. Wir cremen uns ordentlich ein, ich nehme meinen Stock mit, und dann laufen wir los. Kurz schaut es so aus, als ob unsere Wanderung beendet ist, bevor wir richtig losgelaufen sind, denn hier sind große Bagger zugange und eigentlich ist der Weg gesperrt. Das interessiert aber kaum einen und es ist rege was los, also schlängeln auch wir uns an den Baufahrzeugen vorbei. Dummerweise habe ich meine Kappe vergessen, aber umdrehen will ich auch nicht noch mal, da es mir nicht sofort auffällt und wir schon ein gutes Stück gelaufen sind. Es ist mächtig heiss, aber der Wind kühlt uns gut runter. Der Weg führt zwischen den Salzseen durch, wir sehen natürlich Unmengen Flamingos, Reiher und sonstige Wasservögel. Schön mal wieder ein bisschen Natur vor den Füssen zu haben. Leider können wir den Weg aber nicht wie geplant laufen, denn einige Teile stehen hoch unter Wasser. Wir versuchen zwar, uns mal quer durch zu schlagen, aber ausser nassen Schuhen (Dank der guten Imprägnierung aber keine nassen Füsse!) gewinnen wir nichts und müssen uns schlussendlich doch geschlagen geben und einen Teil der Route auslassen. Aber es kommen trotzdem noch etliche tausend Schritte zusammen! Gegen Ende unserer Wanderung erreichen wir den Strand und machen ein Päuschen auf einem großen Stück Treibholz. Dann laufen wir weiter, aber wir biegen nicht zum Womo ab, sondern laufen in die Stadt rein. Dort ist einiges los, aber das war ja jetzt zu erwarten. Wir bummeln ein bisschen durch die Geschäfte, ich ergatter ein schönes grünes Strandkleid, Peter ein Stück Reistorte (zum Mitnehmen) und dann gönnen wir uns ein dickes Eis. Ich nehme nur eine Kugel, und zwar Aprikose mit Fleur de Sel. Peter kann sich nicht entscheiden und „muss“ daher leider drei Kugeln nehmen: Grüne Limette mit Ingwer, Orange mit Chili und Ananas mit Kardamom. Alles sehr spannend und lecker – wenn auch für mich zum Teil zu scharf! Dann kaufen wir noch ein Souvenir für unsere Vitrine daheim (Camargue Stier) und als Wechselgeld gibt es mal wieder ein schönes 2 Euro Stück für die Sammlung 😊 Nun geht es zurück zum Womo,, vorher kaufen wir im Supermarkt noch ein Baguette und eine Flasche Schweppes Agrumes Zero. Die Sorte gibt es leider in Deutschland nicht, ist aber sehr lecker. Zurück am Womo überlegen wir kuzr, wo wir die Nacht verbringen wollen Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wir entscheiden uns, als erstes mal den großen Wohnmobilstellplatz in Aigues Mortes anzufahren. Und wir haben Glück, auf dem Platz sind noch viele freie Plätze. An der Rezeption muss ich meinen Personalausweis hinterlegen, dann bekommen wir den Platz 33 zugewiesen. Die Anlage hat 74 Stellplätze, alle gleich groß. Es gibt Frischwasser, Mülltonnen und man kann Grauwasser und WC entsorgen. Sanitäreinrichtungen gibt es keine, aber das haben wir ja an Bord dabei. Die gesamte Fläche ist fest abgeschottert, alles ganz eben, wir sind sehr zufrieden. Grillen ist auch erlaubt, somit steht das Abendessen fest – wir grillen, dazu gibt es Baguette und ich suche aus den Salatresten zusammen, was noch verwendbar ist und mache einen großen gemischten Salat. Nach dem Essen räumt Peter zusammen und ich kümmer mich um den Abwasch. Draussen sitzen ist leider unmöglich, die Mücken hier fressen einen auf, also machen wir es uns drinnen gemütlich. Während ich tipper plant Peter schon mal den morgigen Tag in Aigues Mortes.
eowynrohan am 11. Mai 2026
¶ Camargue
Heute ist wieder ein Abreisetag, also WC leeren, Wasser auffüllen, spülen und einen riesigen Vogelschiss (diesmal von der Frontscheibe) musste auch noch entfernt werden. Los geht es nun in die Camargue, wie üblich ohne Mautstrecken. In der Nacht hat es ordentlich geregnet, heute früh tröpfelt es zum Glück nur etwas vor sich hin. Der erste Stopp ist an der Fähre Bacs de Bacarin, die uns über das Rhône Delta bringt - auch wieder nur eine sehr kurze Fährstrecke. Dann fahren wir einmal durch die Camargue, bekannt für Stiere, Flamingos und Camargue-Pferde. Wir fahren zwischen Salzwiesen und Reisfeldern hindurch und sehen tatsächlich ungezählte Flamingos überall in den feuchten Wiesen stolzieren und im Wasser am Picken. Stiere sehen wir eine Handvoll, und vermutlich sind die auch nicht wild gewesen. Gleiches gilt für die vielen weissen Pferde hier, die vermutlich auch alle zu Gestüten gehören, aber teils halbwild hier leben. Unser Tagesziel ist Saint Marie de la Mèr, dort wollen wir über Nacht stehen, aber der als kostenlos ausgewiesene Parkplatz darf leider nur bis 18 Uhr genutzt werden. Also fahren wir weiter, und drehen dabei direkt eine Runde durch den mittlerweile sehr touristischen Ort, der durch das jährliche Zigeunertreffen bekannt ist. Wir fahren nun zu einem Stellplatz von France Passion, leider stellt sich raus dass die vor wenigen Tagen spontan ihr Geschäft geschlossen haben und verschwunden sind. Also fahren wir weiter, zum Glück gibt es in 5 Kilometer Entfernung einen weiteren Standort von France Passion, eine Stierzucht samt Restaurant. Dort kommen wir unter und nun müssen wir nochmal in die Planung gehen, denn irgendwie sind wir aktuell nicht zufrieden. Marseille war nett, aber mit Monaco, Cannes, Nizza und St. Tropez hatten wir jetzt echt viele Städte für einen Urlaub. Wir diskutieren und planen bis spät, dann entscheiden wir uns, morgen nochmal nach Saint Marie de la Mèr zu fahren auf den Tagesparkplatz, und wollen dort eine Wanderung machen. Peter hat bei Komoot was schönes gefunden, und wir freuen uns auf etwas Natur. Danach wollen wir morgen am Nachmittag rüber fahren nach Aigues-Mortes, dort haben wir mehrere Optionen zum Übernachten, mal schauen wo wir letztendlich landen. Die rosa Salzseen sehen interessant aus, das wollen wir uns anschauen. Montpellier lassen wir vermutlich aus, und fahren weiter nach Sete, dort gibt es von der Stadt einen Stellplatz für 11 €/Nacht, das ist ein fairer Preis. Und dann schaun mer mal.
eowynrohan am 10. Mai 2026
Heute starten wir erneut nach Marseille. Wir haben noch ein paar Dinge auf unserem 2 Tages Pass abzuarbeiten. Als erstes steht der Hop on off Bus auf dem Programm. Wir gehen zum Ticketschalter und erhalten nach Vorlage des Marseille City Pass ein Tagesticket für den Colorbüs, wie der offene Doppeldeckerbus hier heisst. Als wir einsteigen, ist der Bus bereits rappelvoll, obwohl das hier eigentlich die Starthaltestelle ist, und noch kein Bus komplett rum sein kann, seltsam. Wir steigen erst einmal unten ein und planen, an der dritten Haltestelle auszusteigen, um erst einmal zur Zitadelle zu gehen. Allerdings steigen an zweiten Haltestelle einige Leute aus und wir bekommen oben tolle Plätze. Also entscheiden wir uns spontan, sitzen zu bleiben und eine komplette Runde zu drehen. Mittlerweile kommen die Kommentare aus einer App, wir haben natürlich brav unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht, wie beschriebene. Leider haben das nicht alle und so hört man den Text in allen Sprachen aus diversen Handys tönen, aber das hatten wir bereits vermutet. Stört allerdings auch nicht sehr, da wir ja eh unsere Knöpfe im Ohr haben und der deutschen Routenbeschreibung lauschen. Wir sind am Rathaus gestartet – oder wie es hier so schön heisst, dem Hôtel de Ville. Vorbei am Theater La Criée geht es zum Palais du Pharo. Dann fahren wir am wunderschönen Plage des Catalans vorbei, der lustigerweise wie das deutsche Wort „Plage“ ausgesprochen wird, ansonsten ist die Übersetzung perfekt. Nun kommt der kleine Hafen Vallon des Auffes, die Corniche Kennedy und dann geht es die Serpentinen rauf zur Basilika der Notre Dame de la Garde. Hier leer sich der Bus dann rapide, aber wir waren je bereits gestern hier oben und bleiben sitzen. Jetzt kommt direkt eine weitere Kirche, wir halten an der Abbey Saint Victor, bevor wir am Place aux Huiles wieder am Vieux Port ankommen. Nun geht es weiter, vorbei an der Capitanerie zur Cathédrale La Major. Auch hier waren wir gestern bereits, trotzdem machen wir natürlich das ein oder andere Photo aus dem Bus raus. Der längste Part der Tour ist wirklich toll, aber ab dem Haltepunkt Joliette wird es nun zäh. Der Bus steht gefühlt ewig, dann biegt er ab und fährt noch zu dem Sonderhaltepunkt mit den Bussen der Kreuzfahrtschiffe. Das erklärt warum unser Bus vorhin schon so voll war, der ist hier nämlich scheinbar gestartet. Ruckzuck ist der mittlerweile fast leer gewesene Bus wieder bis auf den letzten Platz besetzt, einige stehen sogar. Denn müssen wir erneut eine Runde über den Platz Joliette fahren. Wieder steht der Bus eine gefühlte Ewigkeit, bis er weiterfährt. Als letzte Haltestelle kommt nun das MUCEM mit der Brücke zum Fort, auch das steht heute noch auf unserem Plan. Nach 90 Minuten statt der angegebenen 60-75 Minuten haben wir den die Rundfahrt einmal geschafft. Wir steigen jedoch nicht aus, wir wollen ja trotzdem noch zur Zitadelle und vorher zum Parc und Palais du Pharo. Das hätten wir uns besser mal gespart, denn nach wenigen Metern im Park wird Peter angeschissen, und zwar so richtig. Eine (bzw. der Menge nach eher ein Geschwader) Möwe hat sich über ihm ausgelassen und es klatscht ihm ins Gesicht, auf die Brille, das Shirt und die Hose. Unglaublich, so einen Dreck habe ich lange nicht gesehen. Peter reinigt sich Gesicht und Brille, ich laufe zur Pforte des Parks und frage nach ob hier und irgendwo Wasser ist. Die nette Dame erklärt mir direkt den Weg zu dem kleinen Brunnen auf dem Kinderspielplatz. Die Hose hat Peter fast sauber, aber das Shirt sieht aus als wäre es verloren. Doch so schnell geben wir nicht auf. Peter drückt immer wieder den Wasserknopf, ich lasse das Shirt wieder und wieder durchspülen. Und nach gut 5 Minuten scheint wirklich alles sauber zu sein. Peter wringt einmal gründlich aus, dann hängt er es sich zum trocknen über die Schultern und nach ein paar Minuten ist es trocken und von der ganzen Tragödie ist nichts mehr zu sehen, was ein Glück. Nun gehen wir rüber zur Zitadelle, und stehen mal wieder vor vielen vielen Stufen. Oben angekommen erfahren wir, dass die nächste Tour leider ausgebucht ist und wir zwei Stunden warten müssen, ausserdem ist sowohl die ausgebuchte Tour als auch die in 2 Stunden nur in französisch. Das dauert uns zu lange, also laufen wir die Treppen wieder runter, und machen uns auf den Weg zum Ferryboat, der kleinen Hafenfähre. Auch die ist in unserem Marseille Pass enthalten, die Fahrt dauert ja nur wenige Minuten wie gestern beschrieben. Nun laufen wir weiter zum Mucem, einem Museum das 2013 anlässlich der Ernennung Marseilles als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2013 eröffnet wurde. Wir wählen den Zugang über das Fort Saint-Jean, und laufen erst eine Runde über die alten Befestigungsanlagen. Zum Museum geht es über eine spektakuläre Brücke, die wir bereits vom Wasser aus und vom Bus aus photographiert haben. Also das Gebäude des Mucem ist schon sehenswert, aber die Ausstellungen sind eher gewöhnungsbedürftig, frei dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg. Zum Glück war auch hier der Eintritt bereits im Pass enthalten, also kein Verlust, sonst hätten wir uns sicherlich geärgert. Nun laufen wir weiter zum Anismuseum, dass sich in den Docks befindet. Die Docks sind umgebaute Lagerhallen vom alten Hafen, dort sind Bars, Kneipen, lokale Handwerksgeschäfte und eben auch das Anismuseum „Maison Yellow“. Unser Ticket beinhaltet eine Probe eines Anishaltigen Getränks, wir entscheiden uns für einen Pernod aus Marseille. Das ist schon mal nichts für uns, igitt. Aber wir bekommen auch eine „Fahrt“ im Mehari, das ist ein typisches französisches Freizeitauto mit Kunststoffkarosse von Citroën, das bis Herbst 1987 gebaut wurde. Die Fahrt ist aber nur ein Film mit 4 D Effekten, also Film, Ton, Rappeln und einmal etwas Wasser die Gischt simulieren soll, als wir übers Wasser fahren. Dauer ca. 5 Minuten (in einem echten Mehari sitzend) und sehr lustig gemacht, es geht einmal durch Marseille, und zwar über die Strassen per Auto, Skateboard, Fahrrad, per Boot übers Wasser und irgendwie auch mal durch die Luft. Aber ansonsten überzeugt uns das Museum samt Riesenshop nicht. Nun laufen wir zum Platz Joliette (wo wir heute schon zweimal waren). Wir steigen in die Straßenbahn, die uns binnen 15 Minuten hoch zum Palais Longchamp bringt. Auch hier ist (wie vorhin auch schon hinter dem Mucem) ein großes Festival im Gange. Es erinnert an Kassel Wilhelmshöhe mit den Kaskaden (natürlich in Kleinformat) aber leider laufen nur die beiden Fontänen im Brunnen. Wir laufen einmal rauf, stromern eine kurze Runde durch den riesigen Park und machen uns nun langsam mal auf den Rückweg. Wir laufen runter bis zu der schönen Kirche Saint Vincent de Paul, und machen ein paar Bilder, dann laufen wir weiter zu Metrostation. Denn Bus und Strassenbahn sind wir ja schon gefahren, U-Bahn fehlt noch. Bis zum Hauptbahnhof ist es allerdings nur eine Station, und schon stehen wir wieder am Bus nach Septèmes-les-Vallons. Also alles in allem ist Marseille deutlich besser als sein Ruf, und müde aber zufrieden kommen wir am Campingplatz an. Nun heisst es planen, wie wir weiter machen wollen.
eowynrohan am 09. Mai 2026