Sonntag, 10. Mai 2026
Heute ist wieder ein Abreisetag, also WC leeren, Wasser auffüllen, spülen und einen riesigen Vogelschiss (diesmal von der Frontscheibe) musste auch noch entfernt werden. Los geht es nun in die Camargue, wie üblich ohne Mautstrecken. In der Nacht hat es ordentlich geregnet, heute früh tröpfelt es zum Glück nur etwas vor sich hin. Der erste Stopp ist an der Fähre Bacs de Bacarin, die uns über das Rhône Delta bringt - auch wieder nur eine sehr kurze Fährstrecke. Dann fahren wir einmal durch die Camargue, bekannt für Stiere, Flamingos und Camargue-Pferde. Wir fahren zwischen Salzwiesen und Reisfeldern hindurch und sehen tatsächlich ungezählte Flamingos überall in den feuchten Wiesen stolzieren und im Wasser am Picken. Stiere sehen wir eine Handvoll, und vermutlich sind die auch nicht wild gewesen. Gleiches gilt für die vielen weissen Pferde hier, die vermutlich auch alle zu Gestüten gehören, aber teils halbwild hier leben. Unser Tagesziel ist Saint Marie de la Mèr, dort wollen wir über Nacht stehen, aber der als kostenlos ausgewiesene Parkplatz darf leider nur bis 18 Uhr genutzt werden. Also fahren wir weiter, und drehen dabei direkt eine Runde durch den mittlerweile sehr touristischen Ort, der durch das jährliche Zigeunertreffen bekannt ist. Wir fahren nun zu einem Stellplatz von France Passion, leider stellt sich raus dass die vor wenigen Tagen spontan ihr Geschäft geschlossen haben und verschwunden sind. Also fahren wir weiter, zum Glück gibt es in 5 Kilometer Entfernung einen weiteren Standort von France Passion, eine Stierzucht samt Restaurant. Dort kommen wir unter und nun müssen wir nochmal in die Planung gehen, denn irgendwie sind wir aktuell nicht zufrieden. Marseille war nett, aber mit Monaco, Cannes, Nizza und St. Tropez hatten wir jetzt echt viele Städte für einen Urlaub. Wir diskutieren und planen bis spät, dann entscheiden wir uns, morgen nochmal nach Saint Marie de la Mèr zu fahren auf den Tagesparkplatz, und wollen dort eine Wanderung machen. Peter hat bei Komoot was schönes gefunden, und wir freuen uns auf etwas Natur. Danach wollen wir morgen am Nachmittag rüber fahren nach Aigues-Mortes, dort haben wir mehrere Optionen zum Übernachten, mal schauen wo wir letztendlich landen. Die rosa Salzseen sehen interessant aus, das wollen wir uns anschauen. Montpellier lassen wir vermutlich aus, und fahren weiter nach Sete, dort gibt es von der Stadt einen Stellplatz für 11 €/Nacht, das ist ein fairer Preis. Und dann schaun mer mal.



Samstag, 9. Mai 2026
Heute starten wir erneut nach Marseille. Wir haben noch ein paar Dinge auf unserem 2 Tages Pass abzuarbeiten. Als erstes steht der Hop on off Bus auf dem Programm. Wir gehen zum Ticketschalter und erhalten nach Vorlage des Marseille City Pass ein Tagesticket für den Colorbüs, wie der offene Doppeldeckerbus hier heisst. Als wir einsteigen, ist der Bus bereits rappelvoll, obwohl das hier eigentlich die Starthaltestelle ist, und noch kein Bus komplett rum sein kann, seltsam. Wir steigen erst einmal unten ein und planen, an der dritten Haltestelle auszusteigen, um erst einmal zur Zitadelle zu gehen. Allerdings steigen an zweiten Haltestelle einige Leute aus und wir bekommen oben tolle Plätze. Also entscheiden wir uns spontan, sitzen zu bleiben und eine komplette Runde zu drehen. Mittlerweile kommen die Kommentare aus einer App, wir haben natürlich brav unsere eigenen Kopfhörer mitgebracht, wie beschriebene. Leider haben das nicht alle und so hört man den Text in allen Sprachen aus diversen Handys tönen, aber das hatten wir bereits vermutet. Stört allerdings auch nicht sehr, da wir ja eh unsere Knöpfe im Ohr haben und der deutschen Routenbeschreibung lauschen. Wir sind am Rathaus gestartet – oder wie es hier so schön heisst, dem Hôtel de Ville. Vorbei am Theater La Criée geht es zum Palais du Pharo. Dann fahren wir am wunderschönen Plage des Catalans vorbei, der lustigerweise wie das deutsche Wort „Plage“ ausgesprochen wird, ansonsten ist die Übersetzung perfekt. Nun kommt der kleine Hafen Vallon des Auffes, die Corniche Kennedy und dann geht es die Serpentinen rauf zur Basilika der Notre Dame de la Garde. Hier leer sich der Bus dann rapide, aber wir waren je bereits gestern hier oben und bleiben sitzen. Jetzt kommt direkt eine weitere Kirche, wir halten an der Abbey Saint Victor, bevor wir am Place aux Huiles wieder am Vieux Port ankommen. Nun geht es weiter, vorbei an der Capitanerie zur Cathédrale La Major. Auch hier waren wir gestern bereits, trotzdem machen wir natürlich das ein oder andere Photo aus dem Bus raus. Der längste Part der Tour ist wirklich toll, aber ab dem Haltepunkt Joliette wird es nun zäh. Der Bus steht gefühlt ewig, dann biegt er ab und fährt noch zu dem Sonderhaltepunkt mit den Bussen der Kreuzfahrtschiffe. Das erklärt warum unser Bus vorhin schon so voll war, der ist hier nämlich scheinbar gestartet. Ruckzuck ist der mittlerweile fast leer gewesene Bus wieder bis auf den letzten Platz besetzt, einige stehen sogar. Denn müssen wir erneut eine Runde über den Platz Joliette fahren. Wieder steht der Bus eine gefühlte Ewigkeit, bis er weiterfährt. Als letzte Haltestelle kommt nun das MUCEM mit der Brücke zum Fort, auch das steht heute noch auf unserem Plan. Nach 90 Minuten statt der angegebenen 60-75 Minuten haben wir den die Rundfahrt einmal geschafft. Wir steigen jedoch nicht aus, wir wollen ja trotzdem noch zur Zitadelle und vorher zum Parc und Palais du Pharo. Das hätten wir uns besser mal gespart, denn nach wenigen Metern im Park wird Peter angeschissen, und zwar so richtig. Eine (bzw. der Menge nach eher ein Geschwader) Möwe hat sich über ihm ausgelassen und es klatscht ihm ins Gesicht, auf die Brille, das Shirt und die Hose. Unglaublich, so einen Dreck habe ich lange nicht gesehen. Peter reinigt sich Gesicht und Brille, ich laufe zur Pforte des Parks und frage nach ob hier und irgendwo Wasser ist. Die nette Dame erklärt mir direkt den Weg zu dem kleinen Brunnen auf dem Kinderspielplatz. Die Hose hat Peter fast sauber, aber das Shirt sieht aus als wäre es verloren. Doch so schnell geben wir nicht auf. Peter drückt immer wieder den Wasserknopf, ich lasse das Shirt wieder und wieder durchspülen. Und nach gut 5 Minuten scheint wirklich alles sauber zu sein. Peter wringt einmal gründlich aus, dann hängt er es sich zum trocknen über die Schultern und nach ein paar Minuten ist es trocken und von der ganzen Tragödie ist nichts mehr zu sehen, was ein Glück. Nun gehen wir rüber zur Zitadelle, und stehen mal wieder vor vielen vielen Stufen. Oben angekommen erfahren wir, dass die nächste Tour leider ausgebucht ist und wir zwei Stunden warten müssen, ausserdem ist sowohl die ausgebuchte Tour als auch die in 2 Stunden nur in französisch. Das dauert uns zu lange, also laufen wir die Treppen wieder runter, und machen uns auf den Weg zum Ferryboat, der kleinen Hafenfähre. Auch die ist in unserem Marseille Pass enthalten, die Fahrt dauert ja nur wenige Minuten wie gestern beschrieben. Nun laufen wir weiter zum Mucem, einem Museum das 2013 anlässlich der Ernennung Marseilles als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2013 eröffnet wurde. Wir wählen den Zugang über das Fort Saint-Jean, und laufen erst eine Runde über die alten Befestigungsanlagen. Zum Museum geht es über eine spektakuläre Brücke, die wir bereits vom Wasser aus und vom Bus aus photographiert haben. Also das Gebäude des Mucem ist schon sehenswert, aber die Ausstellungen sind eher gewöhnungsbedürftig, frei dem Motto: Ist das Kunst oder kann das weg. Zum Glück war auch hier der Eintritt bereits im Pass enthalten, also kein Verlust, sonst hätten wir uns sicherlich geärgert. Nun laufen wir weiter zum Anismuseum, dass sich in den Docks befindet. Die Docks sind umgebaute Lagerhallen vom alten Hafen, dort sind Bars, Kneipen, lokale Handwerksgeschäfte und eben auch das Anismuseum „Maison Yellow“. Unser Ticket beinhaltet eine Probe eines Anishaltigen Getränks, wir entscheiden uns für einen Pernod aus Marseille. Das ist schon mal nichts für uns, igitt. Aber wir bekommen auch eine „Fahrt“ im Mehari, das ist ein typisches französisches Freizeitauto mit Kunststoffkarosse von Citroën, das bis Herbst 1987 gebaut wurde. Die Fahrt ist aber nur ein Film mit 4 D Effekten, also Film, Ton, Rappeln und einmal etwas Wasser die Gischt simulieren soll, als wir übers Wasser fahren. Dauer ca. 5 Minuten (in einem echten Mehari sitzend) und sehr lustig gemacht, es geht einmal durch Marseille, und zwar über die Strassen per Auto, Skateboard, Fahrrad, per Boot übers Wasser und irgendwie auch mal durch die Luft. Aber ansonsten überzeugt uns das Museum samt Riesenshop nicht. Nun laufen wir zum Platz Joliette (wo wir heute schon zweimal waren). Wir steigen in die Straßenbahn, die uns binnen 15 Minuten hoch zum Palais Longchamp bringt. Auch hier ist (wie vorhin auch schon hinter dem Mucem) ein großes Festival im Gange. Es erinnert an Kassel Wilhelmshöhe mit den Kaskaden (natürlich in Kleinformat) aber leider laufen nur die beiden Fontänen im Brunnen. Wir laufen einmal rauf, stromern eine kurze Runde durch den riesigen Park und machen uns nun langsam mal auf den Rückweg. Wir laufen runter bis zu der schönen Kirche Saint Vincent de Paul, und machen ein paar Bilder, dann laufen wir weiter zu Metrostation. Denn Bus und Strassenbahn sind wir ja schon gefahren, U-Bahn fehlt noch. Bis zum Hauptbahnhof ist es allerdings nur eine Station, und schon stehen wir wieder am Bus nach Septèmes-les-Vallons. Also alles in allem ist Marseille deutlich besser als sein Ruf, und müde aber zufrieden kommen wir am Campingplatz an. Nun heisst es planen, wie wir weiter machen wollen.



Freitag, 8. Mai 2026
Die Nacht ist durchwachsen und zu kurz, aber das passiert. Ich gehe schnell Haare waschen während sich mein Mann rasiert, dann gibt es nur einen Kaffee und wir machen uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Das Ticket können wir im Bus kaufen, allerdings zahlen wir gemeinsam 7 €, was grundsätzlich für die Strecke ein fairer Preis ist, aber mehr als wir vorab als Info bekommen haben, die Auflösung dazu bekommen wir am Nachmittag auf der Rückfahrt. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir den Hauptbahnhof von Marseille. Die Busfahrt führte zuerst an einigen Haltestellen hier in Septèmes-les-Vallons vorbei, dann ging es auf die Autobahn und die einzige Haltestelle in Marseille ist dann der Hauptbahnhof. Als erstes müssen wir nun zum Tourist Office in der Stadt, denn wir müssen unser gestern Abend online gekauftes Ticket gegen den 2 Tages Pass eintauschen. Das geht ziemlich schnell, und dann laufen wir erst einmal zum Vieux Port und stellen uns am Ticketschalter an. Denn leider können wir nirgendwo mit dem 2 Tages Pass direkt reingehen, sondern müssen jedes Mal vorher den 2 Tages Pass gegen ein Ticket tauschen. Wir wollen als erstes zum Chateau d’If, dazu müssen wir aber natürlich erstmal zur Insel fahren. Das Boot soll in wenigen Minuten ablegen, die Schlange am Ticketschalter ist lang. Plötzlich dürfen alle, die noch auf das Schiff wollen, vorgehen, und bereits zwei Minuten später halten wir dann doch noch die Tickets in unseren Händen und flitzen über die Gangway. Die Fahrt ist kurz aber schön, und vor allem haben wir nicht nur einen tollen Blick auf die Frioul-Inseln sondern auch auf Marseille und die Notre Dame de la Garde. Auf Chateau d’If dann das gleiche Spiel – am Ticketschalter zur Besichtigung der Insel und des Gefängnisses steht eine riesige Schlange. Aber wir haben wieder Glück, und alle mit City Pass können einfach durchgehen, wie schön. Das Chateau d’If erweist sich dann allerdings als nur mäßig spannend, da hätte man definitiv mehr draus machen können. Aber egal, zum einen war es im Preis enthalten, ausserdem habe ich das Buch als Kind nicht nur einmal gelesen, und nun kann ich sagen dass ich schon mal da war. Nun geht es mit dem Boot wieder zurück, erneut bei strahlendem Sonnenschein. Kurz bevor wir im Hafen anlegen, müssen wir stoppen, denn wir müssen die Hafenfähre passieren lassen, die mit einer Strecke von 283 eine der kürzesten Fährverbindung der Welt ist. Zurück an Land wollen wir als erstes dann eigentlich mit dem kleinen Touristenzug hoch zur Kathedrale, aber beim Bummeln am Hafen entlang sehen wir dass Marseille fast Preise wie in der Normandie hat, also suchen wir uns ein gemütliches Restaurant direkt im Vieux Port. Peter entscheidet sich für Moules Frites, ich bestelle mir Tartar. Dazu gibt es wie so oft in Frankreich Brot und Butter, und eine große „Karaffe“ Wasser. Die Karaffe ist eine leere Pastis-Flasche, und wir haben uns schon gewundert das hier an jedem Tisch gerade Pastis gebechert wird. Tja, doch nur Wasser… Nach dem leckeren Essen machen wir uns auf den Weg zur Haltestelle der Bimmelbahn. Ticket getauscht, und schon sitzen wir im Zug. Die Durchsagen sind mehrsprachig, französisch, englisch, deutsch, italienisch im Wechsel, alles sehr gut gemacht. Zuerst geht es ein wenig durch den Hafen, dann kämpft sich die Bahn den steilen Berg rauf bis direkt vor die Kathedrale. Dort oben herrscht das absolute Verkehrschaos, denn viele sind mit dem Auto bis raufgefahren. Wir steigen aus der Bahn und laufen die Stufen hoch – und Mutter hatte vollkommen recht: Der Ausflug lohnt – denn der Blick über die Stadt ist absolut atemberaubend. Wir machen – wie sollte es anders sein – ungezählte Photos. Dann werfen wir auch noch einen Blick in die Kathedrale, bevor wir uns auf einen Spaziergang rund um das Gotteshaus machen. Wir haben keinen Zeitdruck die kleinen “Züge“ fahren im 10-Minuten-Takt. Dementsprechend stehen wir auch gerade erst eine Minute an als unsere Bahn kommt. Der Rückweg geht deutlich schneller – zum einen geht es bergab, und zwar richtig steil. Ausserdem fährt die Bahn jetzt auch auf dem kürzesten Weg zurück. Wir sind jetzt eh schon auf der Nordseite des Vieux Port, also am Quai du Port, von da laufen wir jetzt zur Cathédrale du Major, noch ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. Weiter geht es dann durch das Altstadtviertel Le Panier, und nachdem wir die kleinen Gassen kreuz und quer und rauf und runter durchlaufen sind, machen wir uns auf den Rückweg. Als erstes geht es nun bergauf, denn wir müssen zurück zum Bahnhof. Und alles was wir heute früh entspannt runtergelaufen sind, müssen wir jetzt wieder bergauf laufen. Etwas abgekämpft erreichen wir den Bahnhof. Der nächste Bus fährt erst in 40 Minuten, Zeit also sich mit dem Fahrkartenschalter auseinanderzusetzen. Und siehe da, hier kostet ein Einzelticket dann auch nur 1.80 €! Aber so ganz sicher sind wir nicht, ob das auch das richtige ist. Als der Bus kommt, gehen wir, das Ticket wird gescannt und – TADA – es ist richtig. Dann sehen wir auch das Schild, das im Bus gekaufte Tickets 3.50 € kosten, also quasi fast das doppelte. Es sind nur 7 Minuten Zeit bis zur Abfahrt, also sprinte ich nochmal raus und kaufe direkt für morgen früh die Tickets, und schon haben wir 3,40 € gespart. Zurück am Womo gibt es erst einmal ein ausgiebiges Telefonat mit Mama, und während Peter schon mal Tisch, Stühle und Teppich wegräumt, setze ich mich an die Tastatur. Ich bin nämlich sehr müde und möchte gerne früh ins Bett. Ein schöner aber auch anstrengender Tag ist zu Ende. Mal schauen was uns Marseille morgen noch alles zeigt, heute was es auf jeden Fall ein schöner Tag!