Donnerstag, 21. Mai 2026
Heute steht nur Fahren auf dem Programm. Und zwar Passtrassen – und davon reichlich. Als erstes starten wir über Sault auf den Mont Ventoux. Das ist die „zahmste“ Route auf den höchsten Berg der Provence, die Steigung liegt meist um die 5%, nur zum Ende wird es auf den letzten 1.500 m nochmal etwas steiler. Die Route führt bis auf knapp 1.500 m nur durch Wald, und wie im Internet geschrieben, ist es ein Eldorado für Fahrradfahrer. Der Mont Ventoux ist eine Etappe bei der Tour de France und scheinbar das Mekka für jeden der Rennrad fährt. Aber in den meisten Fällen ist das Überholen unproblematisch, nur wenn eine ganze Horde zusammen radelt wird es schwierig, weil die dann meinen sie müssten zu dritt nebeneinander fahren. Die Fahrt ist schön aber tatsächlich recht unspektakulär. Witzig sind dann auf den letzten steilen Kilometern die vielen Photographen die alle (nicht nur Radler sondern auch Autos und Womos) photographieren wie sie den steilen Anstieg meisten. Die Bilder kann man dann im Internet bestellen. Da werden wir dann direkt mal schauen –sicherlich für einen Radler spektakulär aber eher weniger als Womo Fahrer. Der Blick von oben ist toll, leider ist es etwas diesig und es ist bitterkalt. Kein Wunder, sind wir doch auf 1.909 m Höhe. Wir parken kurz auf einem Busparkplatz, um ein paar Bilder zu machen, aber es gibt hier oben echt wenig Möglichkeit länger stehen zu bleiben, obwohl eigentlich genug Platz ist. Also fahren wir ein Stück weiter bis zur großen Radarkugel, dort gibt es dann mehr Parkplätze und wir können in Ruhe ein bisschen rumlaufen. Nun geht es bergab, wir fahren jetzt Richtung Malaucène. Das Gefälle beträgt teils 12 %, Peter setzt fleissig die Motorbremse ein, um die Bremsen nicht zu überlasten, denn um Tatzels 4 Tonnen zu bremsen braucht es schon einiges. Allerdings sind zwischendurch immer wieder mal Parkplätze, auf denen man seinem Fahrzeug mal eine kurze Pause gönnen kann. Und auch für die Radler ist gesorgt, es gibt Dixis und Pissoirs auf der gesamten Strecke. Peter achtet immer ob von hinten ein Radler kommt und versucht ihnen die Möglichkeit zum überholen zu geben, den bergab haben wir keine Chance gegen die Rennradler. Ich würde ja vor Angst tausend Tode sterben, wenn ich so schnell auf einem Rad bergab rasen würde. Wir erreichen Malaucène, und weiter geht es jetzt über Bedoin über Chalet Reynard zurück nach Sault. Immer wieder runter bis auf 300 m, dann wieder rauf auf 1.000 m, runter und nochmal bis auf 1.400 m und dann – vorläufig – nur noch runter. Von Sault aus geht es nun Richtung Gap, dort haben wir für heute Nacht wieder einen France Passion eingeplant. Wie immer geht es auch heute über Mautfreie Strassen, also wieder rauf und runter und wir müssen die Gorges de la Méouge durchfahren und überqueren dabei auch einen weiteren Pass. Das heisst der heutige Tag besteht eigentlich nur aus Fahren, ist aber ein toller Tag und hat wieder ordentlich Futter für unser Photobuch geschaffen. Gegen 17 Uhr erreichen wir das Weingut, wo wir übernachten wollen. Der Hausherr ist arbeiten, mit dem haben wir kurz telefoniert. Aktuell ist nur seine Gattin daheim, aber mittels Google Übersetzung verständigen wir uns und parken Tatzel dann hinter den Apfelbäumen ein. Kurze Zeit später kommt ein weiteres Wohnmobil (Kastenwagen). Die beiden sprechen passabel englisch, also schwatzen wir eine Runde bevor wir uns ins Womo zurückziehen. Morgen geht es dann Richtung Grenoble. So langsam nähert sich auch dieser Urlaub dem Ende.



Mittwoch, 20. Mai 2026
Nach dem wir uns gestern einen entspannten Tag auf dem Campingplatz in Avignon gemacht haben, geht es heute weiter nach Roussillon. Dort wollen wir den Ockerpfad von Roussillon laufen, der durch die alten Steinbrüche führt. Die Innenstadt von Roussillon ist für Wohnmobile gesperrt, darum fahren wir den Ort von Süden an, denn am Ortseingang gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, und man darf bis zu 48 Stunden stehen. Wir wollen jedoch nur eine Runde laufen und uns die leuchtenden Felsen in dem Pinienwald ansehen. Der Rundweg ist nett, wenn man allerdings schon mal in den USA im Bryce Canyon war, dann ist das im Vergleich tatsächlich wirklich nur nett. Trotzdem geniessen wir den sehr sonnigen Ausflug, und trinken anschliessend noch einen Espresso. Neben uns sitzt ein Ehepaar aus der Nähe von Düsseldorf, mit dem wir uns dann erstmal festquatschen. Wir wollen aber langsam weiter und verabschieden uns, nun geht es zurück zum Parkplatz. Nächster geplanter Halt ist Apt, die Stadt der „kandierten“ Früchte. Allerdings wird hier ein vollkommen anderes Verfahren gewählt, seit dem späten Mittelalter werden in der Region Früchte durch Osmose haltbar gemacht, indem das Wasser in der Frucht vollständig durch Zucker ersetzt wird. Das Ganze dauert mehrere Wochen, ist also nicht mit den kandierten Früchten vom Jahrmarkt zu vergleichen. Auf dem Weg dahin kommen wir an einem Restaurant vorbei, das zu den sogenannten „Les Routiers“ gehört, also einer Fernfahrer-Kneipe. Dort hat mein Opa immer gerne gegessen, und ich kann mich nur noch erinnern das die Portionen mächtig waren. Das stand auch noch auf unserer Wunschliste, also halten wir an. Es ist bereits kurz vor 14 Uhr, aber es ist noch geöffnet. Das Restaurant ist brechend voll, Durchschnittsalter geschätzt 80, und vermutlich alles Einheimisch, aber kein Trucker. Wir nehmen das Menu, das heisst erst einmal Selbstbedienung am großen Salatbuffet. Dann entscheidet sich Peter für Faux Filet mit Pommes und Salat, ich nehme den Spiessbraten in Senfsauce mit Kartöffelchen und Ratatouille. Als Dessert gibt es Vanillecreme bzw. Mousse au Chocolat. Boah, richtig lecker, und viel zu viel, wir platzen fast. Nun fahren wir weiter, es sind noch knapp 15 Minuten. Peter hat sich vorab natürlich mal wieder bzgl. Parken informiert und etwas ausgesucht, aber auf Grund der Riesenkirmes die gerade aufgebaut wird, herrscht leichtes Chaos in dem Städtchen. Die „erste“ Wahl schein voll zu sein, darum fahren wir zu dem zweiten Parkplatz. Von der Strasse können wir schlecht einschätzen, ob da noch Platz ist, also fährt Peter mal runter. Die Einfahrt ist steil und tja, der kleine Platz ist voll, und blöderweise haben einige Leute dann auch noch ihre Autos in der Mitte geparkt. Tatzel passt da gerade so durch, also wollen wir wieder raus. Da taucht das nächste Problem auf, die Ausfahrt ist nur für Mittelklasse PKW-tauglich. Selbst mit dem Ranger kämen wir da nicht durch, geschweige denn mit unserem Womo. Peter wendet also mit mehrmaligen Vor- und zurück das Wohnmobil, und fädelt sich dann wieder raus. Zum Glück bleibt er bei so etwas ruhig, ich hätte vermutlich vor lauter Verzweiflung den ADAC angerufen das er Tatzel da rauspulen soll. Wir kurven eine Runde durch die Stadt, dann finden wir eine Parkbucht in einer Ausfallstrasse. Schnell hat Peter geparkt, und wir laufen durch die Stadt. Naja, irgendwie hatten wir uns Apt dann doch spannender vorgestellt. Nichts los, viele Läden geschlossen, obwohl normaler Werktag ist, und irgendwie hat kein Laden die kandierten Früchte. Als wir schon wieder auf dem Rückweg zum Womo sind, kommen wir dann doch noch an einer Bäckerei vorbei, die die bekannte Delikatesse anbietet, und ich nötige Peter wenigsten einen kleinen „Obstspiess“ zu kaufen, und ich bekomme ein Riesenbaiser. Zum Glück ist beides haltbar, denn heute essen wir wohl nichts mehr. Nun wollen wir weiter Richtung Sault, von dort aus wollen wir morgen auf und um den Mont Vertoux fahren, den höchsten Berg der Provence. Die Strasse windet sich steil rauf, und wir überqueren den Col de la Liguière auf 998 m. Einige Kilometer später erreichen wir unser Tagesziel, einen weiteren Gastgeber von France Passion. Wir stellen uns kurz vor, aber eine Verständigung ist kaum möglich, da die ältere Dame nur französisch spricht. Mittlerweile sind zwei weitere Wohnmobile auf den Parkplatz gefahren, aber der Platz ist groß, also kein Problem. Wir machen es uns gemütlich, für heute ist Feierabend.



Montag, 18. Mai 2026
Wir schlafen recht gut, wachen aber trotzdem müde auf. War mal wieder sehr spät bzw. früh letzte Nacht. Kurzentschlossen verlängern wir einen Tag. Ich laufe schnell zur Rezeption, zahle noch einmal knapp unter 30 € und jetzt haben wir zwei ganze Tage hier. Danach frühstücken wir in aller Ruhe – denn eigentlich wollen wir uns heute einen Faulenzertag machen, aber gegen 11 Uhr packt uns doch die Unruhe. Also machen wir uns Stadtfertig und gehen zur Fähre. Es stehen bereits viele an, aber wir schaffen es trotzdem noch aufs Boot, und die kostenlose Fähre bringt uns in wenigen Minuten über den Seitenarm der Rhône. Die kurze Zeit nutzen wir natürlich für ungezählte Photos der Pont Saint-Bénézet, wie die Brücke von Avignon eigentlich korrekt heisst, denn der Blick vom Wasser aus ist schön und bietet eine hübsche Perspektive. Schnell sind wir an Land und überlegen noch, ob wir dem Pulk der anderen folgen zu den Dom-Gärten, aber da entdecken wir einen ganz schmalen Durchgang in der Stadtmauer zur Innenstadt, die Porta Banasterie. Wir laufen nun durch die gleichnamige Strasse die eher ein Strässchen ist. Da kommt von hinten ein ganz kleiner Elektrobus angefahren, der Platz für 5 Personen hat und hier durch die enge Altstadt kurvt, wir weichen beide in Hauseingänge aus. Sowas niedliches wie diesen Bus haben wir noch nie gesehen. Wir laufen weiter bis zum Platz Carnot, und je näher wir dem Zentrum kommen um so mehr ist los. Wobei, im Vergleich zu den anderen Städten ist Avignon schon ein wenig verschlafen, aber das ist ja gar nicht so schlecht. Die Preise sind auch wieder vollkommen moderat, der Espresso – unser übliches Vergleichsprodukt – liegt hier durchschnittlich bei 1,50 €. Wir sehen am Restaurant das Tagesmenu ab 12 € und Moules frites für 14,90 €. Mal schaun, vielleicht gönnen wir uns das ja morgen. Heute haben wir nichts Besonderes vor, ausser etwas rumbummeln, Kaffee trinken und den Tag geniessen. Wir laufen zum Domplatz, und anschliessend die Stufen zur Kathedrale hinauf, deren vergoldete Marienstatue auf dem Turm Kilometerweit sichtbar ist. Allerdings hat die Kathedrale montags geschlossen, aber mal schaun ob wir morgen bei dem Besuch des Papstpalastes auch in die Kirche kommen. Es gibt ein Kombiticket Papstpalast und Brücke, das ist dann unser morgiges Programm. Heute bummeln wir nur mal durch, kaufen Ansichtskarten für unsere Sammlung daheim und noch ein Souvenir für unsere Vitrine, trinken ein Glas Wein auf dem Platz Carnot und unterhalten uns dabei sehr nett und sehr lange mit einem Ehepaar aus den Niederlanden. Nun geht es einmal die ganze Rue de Revolution lang, die Haupteinkaufsstrasse hier, aber viel Spannendes gibt es nicht zu sehen. Dann gehen wir zurück und laufen durch den Domgarten wieder zum Anlegeplatz der kleinen Fähre. Wir haben Glück und erwischen die Fähre zwei Minuten bevor sie ablegt. Zurück auf der anderen Seite laufen wir jetzt nicht den kürzesten Weg zum Campingplatz, sondern in einem großen Bogen entlang der Rhône, so sehen wir die Brücke auch noch von der anderen Seite und auch auf die Stadt haben wir einen tollen Blick und photographieren uns die Finger wund. Nun müssen wir einmal um den benachbarten Campingplatz laufen bis wir dann wieder zu unserem kommen. Damit haben wir dann auch wieder gute 14.000 Schritte, dafür dass wir heute nichts machen wollten, ist das ja ganz ordentlich. Zurück am Womo machen wir eine kurze Pause, dann geht Peter noch eine Runde schwimmen, mir ist es mal wieder viel zu kalt. Danach gehen wir duschen, und dann wartet ja auch noch der Abwasch von gestern, da hatten wir keine Lust mehr. Nun heisst es Brotzeit machen, Mama anrufen und tippen, und schwupps ist es fast wieder 22 Uhr – die Zeit fliegt.