Die Nacht ist viel zu kurz und wir sind zu müde zum Frühstücken. Da es am Gobbins Visitor Center nicht allzu viele Parkplätze gibt, die Wohnmobil tauglich sind, fahren wir als erstes nach dem Aufstehen zum Parkplatz. Tatsächlich gibt es fast nur PKW Parkplätze, allerdings haben einige davon am Ende Rasen, und wir können mit dem Heck überstehen ohne zu stören. Wir haben noch reichlich Zeit bis zu unserer Tour, daher starten wir nun erst einmal die Morgenroutine mit Kaffeekochen und Körperpflege. Frisch und duftig machen wir uns auf zur Rezeption, melden uns an und haben nun noch 10 Minuten Zeit, bis wir uns am Treffpunkt versammeln sollen. Vor uns startet gerade die erste Gruppe des Tages mit 13 Leuten, mal schauen wie viel wir sind. Tatsächlich sind wir nur zu acht, das ist prima. Unser Guide ist sehr freundlich und spricht ziemlich deutlich, dass selbst ich eine Chance habe, einen Großteil zu verstehen. Nur als er bei den Hinweisen vorm Start der Tour etwas von Weewee sagte, habe ich so große Augen gemacht, dass er lachend erklärte, wir sollten alle nochmal zur Toilette, bevor wir starten, denn die nächsten drei Stunden gibt es keine Möglichkeiten. Aber so clever waren wir alle schon gewesen, also schnappen wir uns unsere Helme und gehen zum Bus, der uns zum Start der Tour in drei Kilometer Entfernung bringt. Nun geht es erst einmal bergab – steil bergab mit 25% Gefälle . Das ist eigentlich nicht das Problem, eher das Wissen dass wir ganz zum Schluss das auch wieder rauf müssen. Aber nun heisst es erst einmal, an der Küste bzw. an der Klippe lang zu kraxeln. Der Gobbins Path wurde 1902 von einem findigen Mann namens Wise initiiert. Er war der Leiter der der Eisenbahn und hat sich überlegt, dass man ja nun dank der Bahn viel mobiler war und den Leuten etwas bieten musste. Also hatte er die Idee, den Menschen die Schönheit der Natur Nahe Belfast nahezubringen, aber nicht wie üblich über einen Pfad, der oben auf den Klippen läuft, sondern auf einem Steig der nur wenig über Meeresspiegelniveau gebaut wird. Das Ganze war und ist auch heute noch ein voller Erfolg. Der Weg führt rauf und runter, mal so schmal dass man die Füße nicht nebeneinander setzen kann, dann kommen wieder breitere Abschnitte, mehrere Brücken, eine Swinging Bridge ist auch dabei und die bekannte Tubular Bridge. Unser Guide lässt uns viel Zeit zum photographieren, erzählt alles Mögliche zum Bau des Pfads, diverse Histörchen und auch einiges zur Technik. Wir haben das Gefühl wir sind alleine unterwegs, denn ausser uns ist vor uns ja nur eine Gruppe. Ungefähr auf halber Strecke des Pfads kommen die uns entgegen, sind aber nach zwei Minuten bereits hinter der nächsten Kehre verschwunden. Und wieder sind wir quasi allein, und alle können Photos machen die aussehen, als wäre hier sonst niemand. Unterwegs sind immer wieder Guides mit Funkgeräten, die prüfen, welche Gruppe sich gerade wo befindet. Ausserdem gibt es festverankerte Kisten mit Erste Hilfe Sachen. Also hier wurde wirklich an alles gedacht. Einmal geht es durch eine kleine Höhle, nicht das erste Mal, dass wir froh sind, dass es hier eine Helmpflicht gibt. Der Weg ist wirklich atemberaubend und wir sind sehr froh, die Tour gebucht zu haben. Und auch die anderen Paare in der Gruppe sind supernett und jeder quatscht mit jedem. Dann erreichen aber auch wir das Ende des Pfades. Und nun kommt direkt hinter uns die nächste Gruppe. Da wir aber auf dem Hinweg so viel Zeit hatten, alles anzuschauen, könnten wir jetzt tatsächlich etwas schneller zurückgehen. Doch unser Guide hat die Ruhe weg und macht trotzdem immer wieder Pausen, um uns etwas zu zeigen oder zu erklären. Unterwegs kommt dann noch eine Gruppe mit nun 15 Personen an uns vorbei, je später es wird um so voller wird es hier, das haben wir auch bereits in vielen Kommentaren zur Tour gelesen. Da wir also auch langsam zurückgehen, kommen wir quasi zeitgleich mit den beiden Gruppen an, die nach uns gestartet sind. Das heisst wir hatten wirklich Glück, eine sehr kleine Gruppe, eine Tour die deutlich länger war als bei den anderen und auch noch sehr nette Leute. Nun müssen wir nun noch den Berg zurück zum Bus bewältigen. Für Notfälle steht ein Geländefahrzeug zur Verfügung, aber das braucht von uns zum Glück niemand. Mit etwas ziehenden Oberschenkeln kommen wir oben an, wo bereits der Bus auf uns wartet. Zurück am Visitor Center stromern wir noch eine Runde durch das kleine aber gut gemachte Museum. Dann bedienen wir uns noch am kostenlosen Infomaterial für Nordirland und fahren wieder zurück zum Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbracht haben. Denn dort startet der Blackhead Coastal Path, es ist ja nicht so, dass wir uns heute schon bewegt hätten. Aber die Sonne lacht, hier grünt und blüht alles, da können wir einfach keine Ruhe halten. Der Weg führt zuerst unten am Ufer des Atlantik entlang, und dann gibt es tatsächlich auch einen Pfad an den Klippen entlang. Ok, nicht ganz so spektakulär vielleicht wie der Gobbins Path, aber absolut sehenswert und umsonst. Auch hier geht es über Brücken und am Felsen entlang, alles ist gut mit Geländern abgesichert. Am Ende des Klippenweges gehen steile Treppen hoch bis zum Leuchtturm. Oben angekommen haben wir einen tollen Ausblick, sowohl bis zum Hafen von Belfast als auch bis rüber nach Schottland. Im Loop zwischen Hecken durch und Treppen runter geht es wieder bis auf Meeresniveau und wir erreichen wieder den Weg zum Parkplatz. Beide Touren hatten heute jeweils gut 5 km, da gibt es zum Nachtisch einen Keks extra. Während ich mich nun an die Tastatur setze, recherchiert Peter online, was wir morgen in Belfast anstellen können. Bericht folgt.